„Ach was! Ein Hohlkopf ist er, der obendrein an Größenwahn leidet. Haben Sie gehört, wie er mit den Hunderttausenden herumwarf?“
„Je nun, er scheint sich mit weitgehenden geschäftlichen Spekulationen zu befassen. Und da wäre es ja in unserer Zeit des raschen Gelderwerbes immerhin denkbar, daß ihm irgend eine Kombination glückt.“
„Sagen Sie lieber irgend ein Schwindel. Der Mensch besitzt alle Anlagen, um früher oder später mit dem Strafgerichte Bekanntschaft zu machen.“
„Auch das ist nicht ausgeschlossen. Es walten hier überhaupt Verhältnisse ob, in welche man sich am besten gar nicht einmischt. Auch Sie, denk’ ich, sollten sich zurückziehen.“
„Zurückziehen? Ich? Nachdem ich schon so weit vorgedrungen? Nein, da kennen Sie mich schlecht, Verehrter! Dieser Frau müssen die Augen geöffnet, sie selbst auf die Bahn gebracht werden, die sie zu schreiten berufen ist. Ich interessiere mich sehr für sie — und zwar, wie ich Ihnen ganz offen bekennen will, nicht bloß für die Schriftstellerin.“
„Wenn das der Fall ist, dann stehen Ihre Aussichten nicht sehr günstig. Denn wenn Sie vielleicht auch recht haben, daß er sie nicht liebt: sie liebt ihn gewiß leidenschaftlich.“
„Nun ja! Das mag sein!“ rief er, ärgerlich über die Wahrheit, die mein Ausspruch enthielt. „Aber das kann sich auch ändern. Die Hauptsache ist, daß sie erkennt, an welchen Mann sie sich da gekettet hat. Daher muß man ihr eine literarische Stellung schaffen; ist ihr Ehrgeiz einmal geweckt, dann ergibt sich alles weitere von selbst.“
„Je nun, Sie sind Herr Ihrer Beschlüsse.“
Wir waren inzwischen auf der Freiung angelangt, wo die erleuchtete Uhr der Schottenkirche eine halbe Stunde vor Mitternacht wies.
„Werden Sie noch auf einen Tramwaywagen stoßen?“ fragte er kühl und offenbar verletzt durch meine zweifelhafte Zustimmung.