„Besorgen Sie nichts, gnädige Frau“, erwiderte ich. „Ich bin nicht so leicht verletzt. Vielmehr habe ich Sie recht sehr um Verzeihung zu bitten. Denn gewiß war es mein so ganz unvorbereiteter Besuch, zu dem ich mich nie und nimmer hätte entschließen sollen, was zur unliebsamen Verstimmung dieses Abends wenigstens beigetragen hat.“

„O, glauben Sie das nicht“, sagte sie hastig. Dann, sich Frauenlobs besinnend, fuhr sie einlenkend fort: „Wie immer auch, überzeugt können Sie sein, daß es mir sehr angenehm war, Sie kennen gelernt — oder besser gesagt, wiedergesehen zu haben. Und ich würde Sie jedenfalls bitten, Ihren lieben Besuch zu erneuern, wenn ich das unter solchen Umständen noch wagen dürfte.“

„Je nun, man wird ja im Leben immer wieder zusammengeführt. Für heute nehmen Sie die Versicherung, daß ich, was mich selbst betrifft, den verunglückten Abend keineswegs bedauere.“

Ich drückte die Hand, die sie mir reichte. Dann geleitete sie uns in die Küche, wo sie die Magd weckte, die auf einem Stuhle eingeschlafen war und sich jetzt anschickte, uns durch den dunklen Flur nach dem bereits gesperrten Haustor zu leuchten.

„Ich komme morgen Nachmittag,“ sagte Frauenlob im Fortgehen; „hoffentlich finde ich Sie allein.“

Sie erwiderte nichts und rief uns nur mit gedämpfter Stimme „Gute Nacht“ nach.

Kaum auf die Gasse getreten, rief mein Begleiter, in welchem es noch immer zu kochen schien: „Der Unverschämte! Und Sie, mein Bester, haben mich mit keinem Worte unterstützt!“

„Was hätte ich sagen sollen? Ich begreife auch gar nicht, wie Sie sich so ereifern konnten. Dem Manne sind eben die neuen Beziehungen seiner Frau — oder Geliebten unangenehm. Er hat sich im ganzen doch nur wie ein Eifersüchtiger benommen.“

„Eifersüchtig? Er liebt sie gar nicht. Seine Eitelkeit ist verletzt, weil er sich mit einem Mal von einer Frau geistig überragt sieht, die er bis jetzt nur als eine willfährige Magd betrachtet hatte.“

„Möglich. Übrigens scheint er mir geistig durchaus nicht so tief stehend.“