Mein Begleiter hatte die Ankömmlinge ebenfalls wahrgenommen und rief: „Oho! Wie kommen die daher? Gewiß nur, weil sie anderswo fürchten müßten, gesehen zu werden.“

„Kennen Sie die Leute?“ fragte ich hinausblickend. Wir saßen an der Rückwand des nicht sehr breiten Saales in einer Art Nische, wo man uns nicht leicht wahrnehmen konnte.

„Ob ich sie kenne!“ erwiderte er, sich behaglich zurücklehnend. „Das ist ja dieser Röber, der in letzter Zeit so viel Geld macht.“

„Ich glaube, ich bin einmal irgendwo flüchtig mit ihm zusammengetroffen. Und ist die Dame seine Frau?“

„Seine Geliebte. Die gewesene Frau eines Börsensensals, der sich ihretwegen erschossen hat. Eine Jüdin. Sie war einmal unvergleichlich schön, wie man noch jetzt bemerken kann.“

Ihre Schönheit war mir allerdings sofort aufgefallen, und gerade in diesem Augenblick zeigte sie mit einer Kopfwendung ihr ungemein interessantes Profil: edelste, orientalische Züge, fast blutlos bleich; aus dem kleinen weißen Kapotehütchen, das sie trug, drängte sich rückwärts, in kaum zu bändigender Fülle, ein Wust von glanzlosen dunkelschwarzen Haaren hervor.

„Eine höchst gefährliche Person“, fuhr mein Nachbar fort. „Herzlos, mit einem kalten, messerscharfen Verstande. Dabei bizarr, phantastisch, abenteuerlich. Eine unmögliche Zusammenstellung, werden Sie sagen — und doch ist es so.“

„Sie scheinen sehr genau unterrichtet zu sein.“

„Mein Gott, ich verkehre ja mit aller Welt und habe sie schon gekannt, da sie noch ein junges Mädchen war. Bereits damals zeigte sich, was sie werden würde: ein Irrlicht, das nicht zu haschen, ein Mühlstein, der nicht abzuschütteln ist. Sie hätte inzwischen schon einen Fürsten B... heiraten sollen, und nur durch die größten Geldopfer von seiten der Familie ist die Sache rückgängig geworden.“

„Sie besitzt also Vermögen?“