Klothilde war an die Seite ihres Gatten getreten und betrachtete mit ihm das furchtbar prächtige Schauspiel, bis sie sich endlich mit leichtem Beben geblendet abwandte.

„Komm,“ sagte er, „machen wir Nacht und lassen bei geschlossenen Läden die Elemente sich austoben.“

Ihre Schlafgemächer grenzten aneinander. Um das Schloß heulte der Sturm, rauschte der Regen, hallte der Donner — und so blieben sie noch lange wach.

III.

Dem nächtlichen Gewitter war kein heiterer Morgen gefolgt. Ein rauher Nordwind sauste noch immer durch die Wipfel und trieb am Himmel düstere Wolken vorüber, die sich in heftigen Güssen entluden. So ließ sich denn der Tag für die Erwachenden keineswegs freundlich an, und in schweigender Erwartung der Dinge, die da kommen sollten, wurde das Frühstück eingenommen. Die Reiter, so hieß es, würden schon um zehn Uhr in den Ort einrücken, und diesem Augenblicke sah die Dienerschaft keineswegs so unfroh entgegen, wie die Herrschaft, denn mit den Soldaten kam ja Leben und Abwechslung in die öde Stille und Einsamkeit des Schlosses herauf. Besonders der weibliche Teil gab eine sehr auffallende Erregung kund. Schon als die Kammerzofe des morgens das Zimmer der Freifrau betrat, konnte diese wahrnehmen, daß sich das Mädchen viel zierlicher als sonst gekleidet hatte; aber auch in der Küche erschienen die Mägde in ihrer Weise herausgeputzt und liefen in unnützer Geschäftigkeit hin und her, während selbst die betagte wohlbeleibte Köchin eine frische Haube mit bunten Bändern aufgesetzt hatte. Nur der Kammerdiener bewahrte unerschütterlich seine vornehme Ruhe, und der Kutscher des Freiherrn, ein hagerer, ziemlich steifer Rosselenker, machte sogar ein etwas verdrießliches Gesicht, da ihm nunmehr eine bedenkliche Schmälerung seiner Hoheitsrechte im Stalle bevorzustehen schien.

So kam die zehnte Stunde allmählich näher. Der Himmel hatte sich inzwischen aufgeklärt, und die Gatten traten auf den Altan hinaus. Von dort hatte man ja die Landstraße in Sicht, die sich, soweit das Auge reichte, in mehrfachen Krümmungen durch die Fluren hinzog, und auf welcher nunmehr die Reiter heranrücken mußten. Und wirklich, dort in äußerster Ferne funkelte es mit einem Male wie Feuer auf. Das waren die Helme, welche die hervorbrechenden Sonnenstrahlen auffingen und widerspiegelten. Und schon kam die Truppe mit ihren weißen Mänteln zum Vorschein, gleich einer seltsamen, hell gleißenden Riesenschlange sich näher und näher windend. Schon konnte man die einzelnen Pferde, konnte die Offiziere von der Mannschaft unterscheiden, konnte die Standarte wahrnehmen, die in ihrem Überzuge von schwarzem Wachstuch in die Luft ragte. Und nun ein helles Trompetensignal. Kommandorufe ertönten; die Säbel fuhren blitzend aus den Scheiden — und in geschlossenen Reihen, unter langgezogenen Fanfaren zogen die Schwadronen in den Marktflecken, ein, von welchem aus bereits eine Menge Volks entgegengelaufen war.

„Da sind sie“, sagte der Freiherr, und trat mit Klothilde in den Salon zurück. „Es wird noch eine Weile dauern, bis wir unseren Teil zu Gesicht bekommen.“

„Wir wollen es abwarten“, entgegnete sie, den Schal, den sie über ihren Morgenanzug geworfen hatte, fröstelnd über der Brust zusammenziehend. Dann ging sie, um sich für den Tag anzukleiden.

Er aber setzte sich an ein Fenster und blickte erwartungsvoll hinaus.

Es zeigte sich lange nichts; nur der Regen fiel in Strömen auf die Pfade der Avenue. Die Dragoner hatten offenbar unten auf dem Marktplatze Aufstellung genommen, und die Bequartierung ging jetzt allmählich vor sich. Von Zeit zu Zeit drang ein Trompetensignal durch die Stille.