Es benahm ihr den Atem. Sie stand auf und öffnete eines von den Fenstern, welche, um die Hitze des Tages abzuhalten, samt den Jalousien geschlossen waren. Es war zum Ersticken im Zimmer. Aber auch von draußen schlug ihr dumpfe Schwüle entgegen. Sie blickte hinaus. Kein Blatt regte sich, rings umher brütete es wie ein Gewitter.

Unruhig bewegte sie sich im Zimmer bald hierhin, bald dorthin, nahm ein Buch zur Hand und versuchte zu lesen; aber es gelang ihr nicht.

Gegen Abend trat der Freiherr bei ihr ein. Er hatte dem Verwalter die nötigen Aufträge erteilt, hatte nunmehr selbst nachgesehen und alles in Ordnung gefunden. „Du aber, armes Herz, scheinst dich noch immer nicht beruhigt zu haben“, schloß er seinen Bericht.

Sie erwiderte nichts, und schmiegte sich nur, wie Schutz suchend, an seine Brust.

„Nun, ich begreife es wohl“, fuhr er fort. „Ist mir doch selber recht peinlich zumute. Aber komm, gehen wir jetzt zum Tee. Und zur Feier des bevorstehenden Ereignisses kannst du uns dann die Eroica spielen!“

Er hatte dies, um sie aufzumuntern, in satirisch scherzhaftem Tone gesprochen; sie aber streckte abwehrend die Hände aus und rief: „Nein, nein, heute nicht!“

„Nun, freilich, sie würde ja gar nicht passen! Also etwas Lustiges! Etwa einen Marsch aus Vielka oder ein paar Lannersche Walzer.“

Trotz dieser Erheiterungsversuche blieb die Stimmung eine gedrückte, und als sich Klothilde später doch an den Flügel setzte, wurde sie schon bei den ersten Tönen, die sie anschlug, von rollendem Donner unterbrochen. Das Gewitter, welches in der Tat langsam und zögernd heraufgestiegen war, kündigte jetzt seine unmittelbare Nähe an. Ein Blitz zuckte durch die Nacht, während ein heftiger Windstoß die halb offen stehende Glastür weit aufriß.

Der Freiherr stand auf, um sie zu schließen. „Das erste Gewitter dieses Sommers“, sagte er hinausblickend. „Es droht recht arg zu werden.“

Wirklich folgte schon Blitz auf Blitz, die Landschaft taghell erleuchtend; immer näher, immer mächtiger erscholl der Donner, und ächzend warfen sich die dunklen Wipfel der Bäume im Sturm hin und her.