„Das ist meine Sache“, entgegnete er fest.
Sie sprang auf. Ein fürchterlicher Gedanke hatte sie durchzuckt. Es war offenbar: er trug sich mit einer Herausforderung an den Grafen! So pflegen ja die Männer mit der Ehre ihrer Frauen die eigene wieder herzustellen! Mein Gott! Er wollte mit seinem Leben für sie einstehen — für sie, die sich des Lebens nicht mehr wert fühlte!
„Nein,“ rief sie, „das darfst du nicht! Du darfst es nicht!“
Er sah sie befremdet an; denn er verstand nicht gleich, was sie sagen wollte. Erst der Ausdruck namenloser Angst, mit dem sie ihm jetzt flehend die Arme entgegenstreckte, brachte ihn darauf.
„Besorge nichts“, entgegnete er mit ruhigem Lächeln. „Ich kämpfte nicht mit solchen Waffen. — Aber fasse dich jetzt, Klothilde. Es ist hohe Zeit — wir müssen nach dem Schlosse zurück. In solchem Zustande darf dich niemand sehen.“
Sie fühlte, daß er recht habe und daß sie ihm schuldig sei, äußere Haltung zu bewahren. Instinktiv trat sie vor einen kleinen Spiegel, der an der Wand hing, ordnete ihre Haare, benetzte ihre verweinten Augen aus einem Glase, das halb mit Wasser gefüllt neben der Staffelei stand, und frischte ihr Antlitz auf.
Er war auf sie zugetreten. „Sei guten Mutes, Klothilde“, sagte er, indem er ihr den Arm bot. „Es wird bald alles wie ein böser Traum hinter uns liegen.“
Sie versuchte ein schwaches Lächeln; dann gingen sie.
VII.
Der Freiherr erschien heute allein zu Tisch. „Die Baronin ist unwohl“, bedeutete er dem Kammerdiener. Dieser schaffte sofort das aufgelegte zweite Gedeck beiseite, ohne sich irgendwelche Gedanken zu machen; denn es war ihm bekannt, daß die Herrin, wenn auch selten, dann aber um so heftiger an Migräne leide und sich in solchem Falle stets gänzlich zurückziehe.