„Armes Kind!“ sagte er nach einer Pause, „armes Kind! — Und weiß ich jetzt alles?“ setzte er leise hinzu.

Sie bejahte mit stummem Senken des Hauptes.

„Nun dann,“ fuhr er fort, die Hand auf ihren Scheitel legend, „dann sei ruhig. Denn es wird alles wieder gut werden.“

Sie fuhr mit halbem Leibe empor und blickte ihn mit schreckhaftem Erstaunen an. „Das ist nicht möglich“, sagte sie tonlos.

„Warum nicht? Liebst du ihn denn?“

„Nein!“ rief sie, die Arme vorstreckend. „Es war nur Schwäche — entsetzliche Schwäche.“

„Nun,“ erwiderte er, indem er sie jetzt mit sanfter Gewalt an sich zog, „wenn du ihn nicht liebst, wenn du fühlst, daß deine Zuneigung für mich die gleiche geblieben ist, dann ist ja auch alles wie früher.“

Sie sah ihn ausdruckslos an. „Es kann nicht wie früher sein. Denn du mußt mich jetzt verachten, aufs tiefste verachten.“

„Verachten?“ sagte er innig. „Nein, ich verachte dich nicht, ich liebe dich! Und daher ist es auch jetzt meine Pflicht, dich dir selber zurückzugeben.“ Er war bei diesen Worten aufgestanden und schritt, ernst vor sich hinblickend, in dem dämmerigen Raume auf und nieder.

Sie folgte ihm mit den Augen. Es war, als habe ein Hoffnungsstrahl in ihrem verstörten Antlitz aufgeleuchtet. Plötzlich aber fragte sie zitternd: „Was willst du tun?“