„Frage mich nicht“, erwiderte sie jetzt dumpf.

„Was soll das heißen?“ drängte er, indem er sich an ihrer Seite niederließ. „Sprich, rede — ich bitte dich!“

Sie schlug die Augen auf und starrte, ohne ihn anzusehen, wie ins Leere. „Ich bin verloren“, sagte sie.

„Verloren?!“ rief er aus. „Verloren —“ wiederholte er tonlos, während plötzlich eine entsetzliche, unfaßbare Vermutung in ihm aufdämmerte.

„Ja“, sagte sie.

Ihm war es, als läge er im Fieber und habe ein entsetzliches Traumgesicht. Aber nein: es war ja Wirklichkeit — etwas Entsetzliches mußte vorgefallen sein. Was immer auch: vor allem Klarheit, vollständige Gewißheit! Er sagte daher sanft: „Laß diese rätselhaften Aussprüche, Klothilde. Sage mir, was geschehen ist. Hörst du, Klothilde? Vertrau’ es mir an — mir, deinem Gatten, der dich liebt — so unsäglich liebt —“

Bei dem Ton dieser Stimme, bei der Berührung seiner Hand, die jetzt mit aufmunterndem Kosen über ihre Schläfe und Wange strich, überkam sie ein so gewaltiges Weh, daß ihr die Brust zerspringen wollte. Endlich brach sie in einen Strom von Tränen aus.

Er ließ sie weinen. Dann brachte er seinen Mund dicht an ihr Ohr und sagte weich und flüsternd: „Ich will dir zu Hilfe kommen. Sage mir: hängt dein verzweifelter Zustand mit — mit dem —“

Er vollendete nicht; denn ein rasches Aufschluchzen Klothildens sprach deutlich genug.

Und nun, da er die Gewißheit hatte, um was es sich handelte, begann er zu forschen, allmählich, mit äußerster Vorsicht und Zartheit. Aus den leisen, kaum andeutenden Fragen, die er an sie richtete, aus halben Worten, unterdrückten Gebärden, krampfhaftem Weinen erfuhr er, was sich zugetragen — und atmete auf.