„Ich glaube. Was geschehen konnte, ist geschehen. Es wäre jetzt an der Natur, sich selbst zu helfen. Jedenfalls bleibe ich hier. Ich darf mich wohl ein wenig da drinnen auf das Sofa hinstrecken?“ Mit diesen Worten zog er sich in das anstoßende Zimmer zurück.

Der Freiherr jedoch kniete am Bett nieder. Bis zu dieser Minute war sein Auge trocken geblieben. Der furchtbare Krampf seines Innern hatte keine Lösung finden können. Jetzt aber machte er sich in Tränen Luft. Zuerst drängten sie sich einzeln, tropfenweise, zwischen den Wimpern hervor, aber immer strömender, immer heißer weinte sie der gebrochene Mann auf die geliebte Hand nieder, die er umfaßt hielt ...

„Doktor! Doktor!“

Dieser fuhr, aus dem kurzen Schlafe, in den er verfallen war, von dem Freiherrn wachgerüttelt, empor.

„Ein neuer Anfall! Ein neuer Anfall!“

„So, so,“ sagte der Doktor, sich etwas mühsam zurechtfindend, und folgte in das Krankenzimmer.

Der Anfall war heftig, aber kurz. Klothilde lag wieder ruhig da; sie schien jedoch kaum mehr zu atmen.

Und nun geschah etwas, das nur diejenigen kennen, welche an Sterbebetten gestanden haben.

Klothilde öffnete mit einemmal die Augen und richtete sich mit halbem Leibe empor. Ausdruckslos blickte sie um sich; dann kehrte sie ihr Antlitz langsam dem Gatten zu. Sah sie ihn? Sah sie ihn nicht? Wer konnte es sagen? Unverwandt, aber verglast blieben ihre Augen auf ihn gerichtet. Plötzlich lächelte sie; dann fiel sie in die Kissen zurück, seufzte tief auf — und ihr Kinn sank zur Brust hinab.

Der Freiherr von Günthersheim beugte sich über die Leiche.