Nachdem das Stück zu Ende gegangen war, erhob sie sich mit allen Zeichen der Ermüdung und verschwand samt ihrer Begleiterin.
Da jetzt in der Zwischenpause um uns her einige Bewegung entstand, flüsterte mir Burda zu: „Ich glaube, man ist fort. Wir wollen noch den Beginn des letzten Stückes abwarten, dann gehen wir auch.“
Wir schoben uns, um später keine Störung zu verursachen, näher dem Ausgange zu, und da die Loge wirklich leer blieb, entfernten wir uns schon nach den ersten Szenen, die nun auf der Bühne folgten.
Nachdem wir unsere Mäntel genommen hatten, blieb Burda im leeren Foyer stehen. „Nun, habe ich richtig geahnt?“
Ich wußte nicht, was ich erwidern sollte.
„Man sah, wie leidend sie noch immer ist“, fuhr er fort. „Welche Überwindung muß es ihr gekostet haben, das Theater zu besuchen. Und was sagst du dazu, daß sie in Trauer erschienen ist?“
„Das kann ein Zufall sein“, sagte ich, fast zornig gegen eine Annahme kämpfend, die, ich muß es gestehen, unwillkürlich in mir selbst aufgetaucht war. „Vielleicht ein entfernter Todesfall in der Familie — oder eine Hoftrauer, deren Ansage uns nicht mehr zugekommen ist.“
„Möglich“, warf er leicht hin, meiner Meinung sorgfältig ausweichend. „Aber was ist das?“ fuhr er fort, indem er mit der Hand seine linke Brustseite betastete. Dann knöpfte er rasch seinen Mantel auf und zog aus der inwendig angebrachten Tasche einen Veilchenstrauß hervor, den er anfänglich selbst mit ungläubiger Überraschung betrachtete. Endlich aber richtete er sich hoch empor und sagte, indem er mir die Blumen entgegenhielt, sehr ernst: „Lieber Freund, ich rede jetzt nichts mehr. Du hast, dessen bin ich sicher, diese Veilchen in der Hand der Prinzessin gesehen — und nun finde ich sie in meiner Brusttasche. Leb’ wohl! Ich darf dich nicht länger deinen Angehörigen, von welchen du wohl noch Abschied wirst nehmen wollen, entziehen und danke dir für deine Begleitung.“ Damit reichte er mir die Hand und ging.
Ich war betroffen und verwirrt. Sollten diese Veilchen wirklich ...? Doch nein! Es war ein Strauß wie jeder andere von den vielen hunderten, welche um diese Jahreszeit an allen Straßenecken feilgeboten wurden. Mußte es also gerade derjenige sein, den die Prinzessin ...
Dem will ich auf den Grund kommen, sagte ich zu mir selbst und kehrte nach einigen Schritten, die ich schon auf die Straße hinausgetan, wieder um, um mich in die Garderobe zu begeben. Der eine von den beiden Wärtern, ein schmächtiges, grauhaariges Männchen, das gewöhnlich die Offiziere zu bedienen pflegte, war eben auf seinem Stuhl sanft eingenickt. Bei meinem Erscheinen fuhr er empor.