Ich trat vertraulich auf ihn zu und fragte:
„Erinnern Sie sich des Offiziers, der gerade vorhin mit mir wegging?“
Der Alte sah mich immer noch etwas schlaftrunken an; dann rief er: „O gewiß! Wie sollt’ ich nicht? Der große Herr Leutnant, den kenn’ ich sehr gut.“
Ich hatte dies erwartet. Denn Burda, wenn auch im allgemeinen sehr haushälterisch, liebte es doch, sich solchen Leuten gegenüber äußerst freigebig zu erweisen.
„Nun also, dann können Sie mir vielleicht auch sagen, auf welche Art ein Veilchenbukett in die Manteltasche des Herrn Leutnant gekommen ist?“
„Veilchenbukett? In die Tasche des Herrn Leutnant!?“ rief der Alte und schlug fast die Hände über den Kopf zusammen. Dann wühlte er verzweifelt in den Militärmänteln, welche dicht übereinander an der Wand des schmalen Raumes hingen. „Richtig! Richtig!“ stöhnte er; „da hab’ ich eine schöne Konfusion gemacht!“
„Wieso?“
„Nun sehen Sie: das Bukett war von einer Dame im zweiten Parterre — nicht mehr jung — aber interessant, sehr interessant. Sie hatte mich gebeten, es einem Hauptmann vom Regiment Alexander — Sie kennen ihn vielleicht — den mit dem ungeheuren Schnurrbart — in die Tasche zu praktizieren. Nun hat er auch solche Aufschläge — wenn auch mehr orangegelb — aber so bei Nacht — und der Mantel des Herrn Leutnant hing gleich neben dem seinen — und da — —“ er vollendete nicht und machte nur bezeichnende Gebärden des Verwechselns.
„Nun, nun,“ sagte ich, „nehmen Sie die Sache nicht so tragisch! Es braucht ja weder der Hauptmann, noch die interessante Dame davon zu erfahren. Und sollte man Sie wirklich zur Rede stellen, so können Sie Ihr Versehen ruhig eingestehen; es war ja kein Verbrechen. Nehmen Sie dies zu einstweiligem Trost.“
Er empfing das Gereichte mit einem devoten Knix, zeigte aber nichtsdestoweniger immer noch große Unruhe.