„Ah, Herr Georg!“ rief einer. „Lassen Sie sich auch wieder einmal sehen!“
Ich konnte nicht verstehen, was der also Empfangene erwiderte. Ich vernahm eigentlich nur ein hastiges Schlucken und Gurgeln, dann wurde ein Glas auf den Schenktisch gestoßen.
„Sie haben ja Besuch bekommen!“ hieß es weiter.
Nunmehr hörte ich, wie der Lakai sagte: „Freilich. Die Prinzessin L..., die beste Freundin unserer Gräfin. Schon vor sechs Wochen hätte sie kommen sollen, um dann später mit uns nach Italien zu reisen. Statt dessen ist sie krank geworden. Wer weiß, ob jetzt noch etwas aus der Reise wird. Ein Glück wär’s, denn es ist nicht mehr auszuhalten in dem Nest!“
Nach diesem für die Eingeborenen nicht sehr schmeichelhaften Ausspruch stürzte er, wie ich, ein wenig durchs Fenster blickend, bemerken konnte, ein zweites Glas hinunter und suchte nach kleiner Münze, um seine Zeche zu bezahlen.
„Sie wollen schon wieder fort!?“
„Ich muß zur Bahn laufen und telegraphieren lassen. Es ist eine Schachtel im Coupé vergessen worden. So geht’s, wenn man keine männliche Dienerschaft mitnimmt!“
Und ohne Gruß eilte er hinaus.
So also standen die Dinge. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, welche Genugtuung Burda beim Anblick der Prinzessin mußte empfunden haben, welche Hoffnungen und Erwartungen er nunmehr an ihren hiesigen Aufenthalt knüpfte ...
Aber diese Hoffnungen und Erwartungen, die der Zufall wachgerufen, sollten von diesem selbst sofort wieder vernichtet werden. Denn die unentschiedene, ratlose Haltung, welche die Regierung den fortschreitenden Ereignissen gegenüber noch immer bekundete, hatte einen beständigen Wechsel der militärischen Dispositionen zur Folge — und so bekam auch unser Regiment noch am selben Abend den Befehl, die Standquartiere sofort zu verlassen und nach Prag in Garnison abzurücken.