„Was willst du damit sagen?“
Ich schwieg, denn ich wagte nicht auszusprechen, daß Schorff ein sehr gefährlicher Gegner sei. „Je nun, er ist ein bekannter Raufbold,“ warf ich endlich leicht hin.
„Das mag er sein. Auch wir führen unsere Klinge. Fatal ist es allerdings, daß sich gerade dieser freche, aufgeblasene Plebejer hat vordrängen müssen. Aber wenn es nicht zu ändern ist, immerhin! Der Herr Rittmeister wird mir nicht entgehen.“
Wir waren beim Dessert angelangt, und nachdem wir den Kaffee genommen hatten, forderte mich Burda auf, mit ihm den Abend auf der Sophieninsel zuzubringen, wo heute vor einem gewählten Publikum Konzert im Freien stattfand.
IX.
Schon am nächsten Vormittage fand sich ein Hauptmann des Generalstabes in Begleitung eines Artillerieoffiziers in meiner Wohnung ein. Sie kämen, sagten die Herren, hinsichtlich des bedauerlichen Vorfalles, der gestern im Englischen Hof stattgefunden und welcher bereits zur Kenntnis der Militärbehörden gelangt sei. Man wünsche hohen Ortes, daß die Angelegenheit so rasch und einfach wie möglich beigelegt werde. Demnach wären sie infolge eines von seiten sämtlicher Beleidigten getroffenen Übereinkommens als Kartellträger des Herrn Leutnant Schorff ermächtigt, zu erklären, daß dieser im Namen aller übrigen die Sache zum Austrag bringen wolle.
Es kam also, wie ich es vorausgesehen, und obgleich sich bei ruhiger Betrachtung dieses Vorgehen auch wirklich als das vernünftigste erwies, so lag darin für Burda doch eine Art Geringschätzung, die ich wider Willen mitempfand.
„Ich glaube nicht, daß der Herr Oberleutnant Burda auf diese Proposition eingehen wird,“ sagte ich.
„Er wird sich doch nicht mit jedem einzelnen schlagen wollen?“ rief der Hauptmann, indem er, um seine Verwunderung auszudrücken, die Augen weit aufriß.
„Je nachdem.“