Nach einer halben Stunde fuhr ich mit Plaid und Handkoffer ab.
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Als ich wieder eintraf war meine erste Frage:
„Nun, ist er fort?“
„Noch immer nicht“, erwiderte Herr Matzenauer verlegen und überdies sichtlich verstimmt. „Er hat einen Brief von seinem Sohn erhalten, worin dieser mitteilt, daß er sich noch einige Tage in Venedig aufzuhalten gedenke.“
„Das war vorauszusehen!“ rief ich ärgerlich. „Aber was haben Sie denn? Sie machen ja ein ganz saueres Gesicht.“
Herr Matzenauer kratzte sich leicht am Hinterhaupte.
„Ich will Ihnen nur gestehen,“ sagte er, „daß es mir jetzt auch schon zu viel wird.“
„Wieso?“
„Nun sehen Sie: ich bin Hotelbesitzer, und als solcher muß ich auf Gewinn bedacht sein. Daher war mir auch das Erscheinen eines neuen Gastes sehr angenehm. Herr Hirsch ist ein reicher Mann — oder vielmehr sein Sohn ist es — und der Alte läßt viel aufgehen. Aber er macht auch die unglaublichsten Ansprüche. Alle erdenklichen Möbel will er in seinem Zimmer haben; kein Stuhl ist ihm weich, kein Bett lang und breit genug, fast täglich muß irgend ein Umtausch getroffen werden. Und jederzeit sollen Leckerbissen da sein. Die sind aber auf dem Lande — und nun gar für eine Person — schwer zu beschaffen; in erster Linie kosten sie Geld. Infolgedessen findet Herr Hirsch, der bei allem Wohlleben mit dem Kreuzer knickert, die Rechnung immer zu hoch beziffert. Meine Frau will schon gar nicht mehr für ihn kochen, weil ihm kaum eine Speise recht zubereitet ist; ich muß mich rein aufs Bitten verlegen.“