II.
Am Morgen stand es bei mir fest: mit diesem Manne konnte ich nicht unter einem Dache bleiben. Die Frage war nur, was beginnen? Aber hatte ich mir denn nicht schon längst vorgenommen, einmal nach Graz zu fahren? Ich mußte mich ja mit manchem Notwendigen, vor allem mit gewissen Büchern, versorgen, die ich in jener Stadt aufzutreiben hoffte. Auch fiel mir jetzt ein, daß dort einer meiner Verwandten lebe, den aus solcher Nähe aufzusuchen, eigentlich meine Pflicht war. Ich konnte mich ja mehrere Tage, konnte mich eine Woche ferne halten — und bis dahin würde Herr Hirsch wohl abgereist oder doch wenigstens nicht lange mehr hier sein. Also nach Graz! Ich beeilte mich, diesen rettenden Gedanken mit Benützung des nächsten Bahnzuges zur Tat zu machen, kleidete mich, während mein Nachbar noch hörbare Schlummertöne von sich gab, rasch an und begab mich zum Frühstück hinunter, wobei ich meinen Entschluß Herrn Matzenauer ankündigte.
„Was?“ rief dieser betreten. „Sie wollen fort? Doch nicht etwa wegen des Herrn Hirsch?“
„Das sollten Sie nicht. Lernen Sie ihn nur erst näher kennen. Er hat zwar seine Eigenheiten — ist aber ein ganz gemütlicher alter Mann.“
„Er schnarcht wie ein Bär.“
„Daran würden Sie sich bald gewöhnen. Auch könnten Sie ja ein anderes Zimmer nehmen.“
„Das ist mir zu umständlich“, sagte ich kurz abweisend.
„Nun, ich meinte ja nur. Sie begreifen, wie leid es mir tut, Sie zu verlieren; ich hatte gehofft, daß Sie über Neujahr bleiben würden. Wenn Sie übrigens wirklich wieder kommen — —“
„Gewiß komme ich wieder. Ich lasse ja meine Sachen zurück und nehme nur das Notwendigste mit. Ich hätte mich jedenfalls auf kurze Zeit nach Graz begeben, denn ich habe dort zu tun. Erwähnen Sie daher Herrn Hirsch gegenüber nichts; ich möchte nicht gerne jemanden verletzen.“