‚Siehst du?‘ fuhr ich fort, indem ich mit der Hand leicht über ihr sprödes Haar fuhr. ‚Nimm dir’s zu Herzen. Heute ist Freitag — übermorgen, Sonntags, in aller Frühe begib dich nach dem Hofe und melde dich zur Arbeit. Willst du?‘
‚Ich will‘, sagte sie schluchzend.
‚Nun also. Da nimm! Es ist so viel, als ich eben kann. Aber ich baue auf dein Versprechen. Und daß du mir nicht mehr in den Wald kommst! Hörst du?‘
Sie schüttelte unter Tränen das Haupt, zum Zeichen, daß sie nicht wiederkommen wolle.
‚Und nun leb’ wohl‘, sagte ich.
Sie hielt die Gabe in der fest geschlossenen Hand. Stumm, gehorsam, noch immer leise weinend, wandte sie sich und ging.
Mit freier, gehobener Brust atmete ich auf. Alle unlauteren, häßlichen Empfindungen waren in mir wie hinweggespült; ich hatte nur das frohe Gefühl, wohl gehandelt zu haben.
Ich erstieg die Anhöhe und wartete, bis Maruschka aus dem Walde in die sonnige Ebene hinaustrat. Sie blickte sich nicht um, sondern schritt mit gesenktem Haupte zwischen den leuchtenden Kornfeldern dahin. Endlich trocknete sie sich die Augen und begann dann langsam und vorsichtig die Banknote zu entfalten, die ich ihr in die Hand gedrückt.
III.
Gleich am Nachmittage suchte ich den Adjunkten auf. Er hörte mich einigermaßen verwundert an und fragte lächelnd, wie ich dazu käme, den Fürsprecher der jungen Troglodytin zu machen. Darauf war ich vorbereitet und konnte daher ohne jede Verlegenheit auseinandersetzen, daß sich das Mädchen zu großem Verdrusse der Försters tagelang im Revier umhergetrieben, daß ich ihr endlich ins Gewissen geredet und sie bestimmt habe, sich Sonntags im Wirtschaftshofe zu stellen und um Beschäftigung zu bitten. Und am Ende seien wir ja infolge unseres Amtes berufen, uns der Leute anzunehmen, da man sich von seiten der Ortsobrigkeit gar nicht um sie kümmere.