Sie blickte nachdenklich vor sich hin. ‚Schenkt mir lieber etwas‘, sagte sie nach einer Weile.

‚Nein, ich schenke dir nichts! Das hieße nur deine Trägheit, deine schlimmen Neigungen unterstützen. Oder doch —‘ fuhr ich fort, von einem plötzlichen Gedanken überkommen ‚ja, ich will dir so viel schenken, daß du eine Zeitlang nicht zu hungern brauchst und dir ein paar Ellen Zeug an den Leib schaffen kannst; aber auch nur unter der einen Bedingung, daß du dich nach Arbeit umsiehst.‘

Sie schwieg und schien einen schweren inneren Kampf zu kämpfen. ‚Es nimmt mich niemand‘, wiederholte sie endlich. ‚Ihr wißt doch — —‘

‚Ich weiß. Aber gerade deswegen wird und muß man dich nehmen; denn es ist jedermanns Pflicht, dir zu einem ordentlichen Leben zu verhelfen. Im Wirtschaftshofe findest du ganz gewiß Aufnahme. Wenn du willst, werde ich mit dem Adjunkten sprechen.‘

‚Nehmt Ihr mich lieber‘, sagte sie, rasch aufblickend. ‚Ihr könnt mich ja auch im Walde brauchen.‘

‚Nein,‘ entgegnete ich verwirrt, ‚nein, dazu ist es jetzt schon zu spät; die Kulturen sind ausgesetzt, und was ich dir sonst noch zu tun geben könnte, würde nicht weit reichen. Aber bei der Wirtschaft geht es erst jetzt so recht an. In der nächsten Woche beginnt die zweite Rübenhacke, dann die Heumahd, späterhin ist der Schnitt — und endlich die Rübenernte. So hättest du Beschäftigung und Verdienst bis tief in den Herbst hinein. Willst du?‘

Ich sah, daß sie zu keinem Entschluß kommen konnte und wie verloren vor sich hinstarrte. Ich trat ihr näher und zog die Börse. ‚Schau,‘ sagte ich in mildem Tone, ‚du bist ein hübsches Mädchen; warum willst du nicht auch brav und rechtschaffen sein? Wie heißt du denn eigentlich?‘

‚Maruschka‘, sagte sie still.

‚Also, Maruschka, warum willst du nicht, wie all die anderen, dein tägliches Brot erwerben — für dich — und auch für deine Eltern, die nun einmal zur Arbeit nicht mehr taugen? Dein Beispiel würde den Bruder aneifern — und ihr könntet alle miteinander noch ehrsame Leute werden, statt in Elend und Schande zu verkommen. Denkst du denn gar nicht an deine Zukunft?‘

Ihre breiten, kräftigen Nasenflügel hatten während meiner Worte leise zu zittern begonnen; die Mundwinkel zogen sich schmerzlich herab — und jetzt brach sie in ein unaufhaltsames, lautes Weinen aus.