Sie bebte zusammen; gleich darauf aber kam ein tückischer, herausfordernder Trotz in ihrem Antlitz zum Vorschein; es war, als wollte sie sich zur Wehr setzen. Dann aber nahmen ihre Züge plötzlich den Ausdruck vollständiger Gleichgültigkeit an. ‚Nun ja; tut nicht so böse und schreit nicht. Ich gehe schon. Aber schenkt mir wenigstens etwas. Ich habe Hunger. Und seht, das Kleid geht schon ganz in Fetzen — auch habe ich keine Schuhe —‘

‚Du brauchst Schuhe — du Strauchdiebin!‘ rief ich hart.

Sie zuckte wieder zusammen; ihre Augen waren ganz dunkel geworden und blitzten vor Wut und Haß. ‚Warum heißt Ihr mich so?‘ rief sie mit geballten Fäusten. ‚Euch habe ich nichts gestohlen.‘ Dann ließ sie allmählich die Arme sinken und sagte vorwurfsvoll: ‚Ihr solltet mich nicht so nennen — gerade Ihr nicht.‘

Ich selbst hatte das Wort bereut, kaum daß ich es ausgestoßen. ‚Warum läßt du’s auch darauf ankommen‘, entgegnete ich milder. ‚Und wenn du Hunger hast, warum arbeitest du nicht?‘

‚Das geht nicht‘, erwiderte sie dumpf.

‚Weshalb nicht?‘

‚Es nimmt mich niemand.‘

‚Das ist nicht wahr. Hast du’s denn schon versucht?‘

Sie schüttelte das Haupt.

‚So tu’s!‘