So mochte fast eine Woche vergangen sein, und ich mußte wieder einmal nach der Baumschule sehen, die ich seither vermieden hatte, obgleich mich eine geheimnisvolle Macht hinzuziehen schien. Schon aus einiger Entfernung konnte ich bemerken, daß das Mädchen, wie damals, in der Nähe des Zaunes saß. Ich fühlte einen heftigen Ruck am ganzen Körper, und unwillkürlich wendete ich mich zur Umkehr. Doch schon schämte ich mich auch dieser unwürdigen Feigheit und beschloß, der Gefahr, wenn es denn wirklich eine sein sollte, mutig zu begegnen; schritt also jetzt an der Sitzenden, ohne ihr einen Blick zu schenken, vorüber. Stop aber hielt an und wedelte ihr wie einer guten Bekannten entgegen. Sie lockte ihn an sich heran. Ich pfiff; doch da sie ihm den Kopf kraute, folgte er nicht gleich. Das ärgerte mich. ‚Laß den Hund in Ruhe!‘ herrschte ich ihr zu, mit einer halben Wendung stehen bleibend.

‚Kann ich dafür, daß er mich kennt?‘ antwortete sie ruhig, ohne aufzusehen. ‚Er weiß sich nicht zu verstellen, wie Ihr.‘

‚Was willst du damit sagen?‘ erwiderte ich barsch.

‚Warum tut Ihr, als sähet Ihr mich nicht?‘

‚Sei froh, wenn ich dich nicht sehe‘, sagte ich bedeutungsvoll.

‚Ach geht!‘ sagte sie, indem sie sich von dem Stein erhob und langsam auf mich zukam. ‚Ich habe ja doch Tag für Tag hier auf Euch gewartet.‘

‚Auf mich? Weshalb?‘

Sie erwiderte nichts, sah mich aber mit einem Blick an, der mir das Blut sieden machte — und mich doch gleichzeitig derart empörte, daß ich mit ungeheuchelter Entrüstung ausrief: ‚Du bist ein schamloses Ding! Schau, daß du fortkommst — und das sogleich!‘

Sie blickte mich halb erschreckt, halb ungläubig an, während ein blödes Lächeln um ihre roten, halb geöffneten Lippen spielte.

‚Hast du gehört? Hinweg! sag’ ich!‘ Damit trat ich, den Arm gebieterisch ausgestreckt, so drohend auf sie zu, daß Stop trotz seiner freundlichen Gesinnung bedenklich zu knurren anfing.