Nachdem sie getrunken hatte, blieben wir noch eine Weile schweigend nebeneinander sitzen. ‚Nun aber bin ich bereit‘, sagte sie jetzt, indem sie sich erhob. ‚Erwarten Sie mich draußen am Eingang; ich nehme nur meine Sachen aus der Garderobe.‘ Ich eilte nach dem Vestibül, wo mein Mantel hing. Es dauerte nicht lange, so erschien sie, in einen ganz leichten Überwurf gehüllt, ums Haupt ein schwarzes Schleiertuch geschlagen, aus welchem ihr lichtes Antlitz wundervoll hervorschimmerte. Draußen bog sie gleich links ab und schlug einen schmalen Fußpfad ein. Ich wagte es nicht, ihr den Arm zu bieten, und hielt mich in ehrerbietiger Entfernung an ihrer Seite. Es war eine mondlose Nacht; aber die Sterne flimmerten, und man konnte die Landschaft deutlich wahrnehmen.
‚Sehen Sie die Reihe kleiner Häuser?‘ begann sie. ‚Dort wohne ich.‘
‚Das ist noch näher, als ich gedacht. Nur mehr ein paar Augenblicke — und Sie sind mir entschwunden. Vielleicht für immer.‘
Sie erwiderte nichts.
‚Soll ich Sie wirklich nicht mehr wiedersehen?‘
‚Ich werde die Mutter fragen,‘ sagte sie nach einer Pause.
‚Und wie werde ich den Bescheid erfahren?‘
Sie schien zu überlegen. ‚Kommen Sie morgen um vier Uhr nachmittags in jene Allee.‘ Sie deutete auf zwei Reihen kahler Bäume, die sich dunkel quer über die Felder gegen den Fluß hinzogen. ‚Es ist mein Lieblingsweg; besonders in dieser Jahreszeit, wo es hier herum noch ganz einsam ist. Wollen Sie?‘
‚Sie fragen? — —‘
‚Es dürfte morgen gutes Wetter sein,‘ fuhr sie, stillstehend, mit einem Blick nach dem Himmel fort; ‚auch schlechtes würde mich nicht abhalten. Jetzt aber bleiben Sie zurück. Gewahren Sie die erleuchteten Fenster? Meine gute Mutter wacht noch.‘ Sie reichte mir die Hand. ‚Also addio! Auf morgen!‘