Man hüte sich eine Amme, z. B. ein Landweib, das vorher an derbe, hart verdauliche Speisen, grobe Arbeit, und freie, gesunde Luft gewohnt war, auf einmal einzusperren, ihr alle Bewegung zu verbieten, und die leichten, saftvollen, und gewürzhaften Speisen der Städter aufzutischen. — Die Amme wird, so wie jeder Mensch, krank, wenn sie das nicht hat, woran sie gewohnt ist; man lasse sie leben, wie sie bisher gelebt hat.

Man schmeichle sich aber ja nicht mit der süßen Hoffnung, irgendwo eine Amme zu finden, die alle Eigenschaften einer guten Amme in sich vereint. Unter 1000 Krüppeln sind 980 durch die Schuld ihrer Ammen Krüppel geworden. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man eine Amme findet, die nur die wichtigsten Eigenschaften besitzt. Man vergesse nicht, daß ⅔ von den Unglücklichen, die von Ammen gesäugt werden, zu Grunde gehen müssen, indessen nur ¼ von den Kindern umkommt, die das Glück hatten, an ihrer Gebährerinn eine Mutter zu finden. Man vergesse nicht, daß auch eine gute Amme nicht Mutter ist; daß man jeden kleinen Dienst, den sie dem armen Säuglinge erweist, kaufen, oder durch Drohungen erzwingen muß.


Warte und Pflege.

Wann soll das Kind zuerst an die mütterliche Brust gelegt werden? Ich glaube, daß es das beste ist, dies schon einige Stunden nach der Geburt zu thun, wenn die Kindbetterinn etwas geschlafen, und allenfalls eine Suppe gegessen hat. Zwar wollen einige: man soll das Kind erst nach zehen oder zwölf Stunden trinken lassen. Andere wollen es nach vier und zwanzig Stunden zum erstenmale anlegen; weil sie fürchten, die Milch gerinne, ehe das Kindpech ausgeleert sey, und mache denn höchstbeschwerliche Uebel, und wohl gar Konvulsionen; allein diese in dem Zeitpunkte dünne, wässerige Milch ist es gerade, wodurch die Natur diesen zähen Unrath auflöst, und wegschafft, wodurch uns der Mannasyrup, der mit Wein vermischte Honig etc. etc. womit wir die Kinder gleich nach ihrer Geburt quälen, entbehrlich werden. Dabey wird durch das frühe Anlegen das Milchfieber vermindert, und der allzu großen Ausdehnung der Brüste und mehrern daher rührenden Uebeln vorgebeugt.

Die ersten drey, vier Monate braucht das Kind nichts, als Milch zu genießen. Täglich muß es öfter an der mütterlichen Brust saugen; aber wie oft, zu welcher Zeit dieses geschehen müsse, läßt sich nicht so ganz genau im Allgemeinen bestimmen. Es kömmt hier viel auf die Constitution des Kindes und der Mutter an, die man durch Beobachtung bald kennt, um zu wissen, wann dasselbe der Milch als seiner Nahrung bedarf; doch wird es in den gewöhnlichen Fällen am besten seyn, dem neugebornen Kinde zu bestimmten Zeiten, z. B. alle zwey Stunden, die Brust zu reichen; doch muß es nur wenig auf einmal trinken, damit der bis jezt noch schwache Magen nicht zu sehr angefüllt und ausgedehnt werde.

Nie muß man es zum Saugen nöthigen, ihm nicht immer so oft es schreit, die Brust geben; denn nicht allzeit ist ja hievon Hunger die Ursache, und mäßiges Weinen und Schreien ist dem Kinde gar nicht nachtheilig; im Gegentheil es erweitert die Lungen, reinigt Nase, Mund und Augen, und macht die natürliche Wärme lebhafter. Die Natur scheint es nur aus diesem Grunde absichtlich bei der kleinsten Veranlassung zu erregen, um dem Kinde statt Bewegung, dadurch den Kreislauf zu befördern. Man muß es daher nicht gleich stillen, sondern nur wenn es anhält, die mannigfaltigen Ursachen davon zu entdecken suchen. Nicht selten ist eine unbequeme Lage, manchmal Kolik, manchmal zurückgehaltenes Kindspech, zuweilen eine ungeschickte Art zu wickeln, oft Flöhbisse etc. Schuld daran. Immer ist es rathsam das Kind an eine gewisse Ordnung zu gewöhnen. Für ein erwachsenes und dreymonatliches Kind schickt sich nun natürlich eine größere Portion Milch, jedoch muß ihm diese nicht zu oft gereicht werden, und es darf deswegen auch nicht mehr erhalten, als zur Ernährung, und guten Verdauung erforderlich ist.

Daß wenig Milch gebende Brüste, welche das Kind durch Saugen ganz ausleert, für die Gesundheit am zuträglichsten sind, lehren die Beispiele der gesündesten Bauernkinder; denn diese werden von ihren Müttern schreiend verlassen, bekommen sie des Tags nur drey, viermal zu sehen, und saugen alsdann um desto begieriger, ohne daß sie an ihrer Gesundheit leiden, vielmehr groß und stark werden. In der Nacht soll man den Kindern nie, als höchstens im ersten Monate die Brust geben, weil Mutter und Kind Ruhe und Schlaf vonnöthen haben. Kinder werden auch nie in der Nacht zu trinken verlangen, wenn sie nicht daran gewöhnt sind. Nur erst nach drey, vier Monaten hat man gewöhnlich nöthig, allmählig dem Kinde nebst der Milch auch zu Essen zu geben. So lange ist die Muttermilch allein zu seiner Nahrung hinreichend; und eher Speisen geben, ist daher nachtheilig.