Gewöhnlich pflegt man sie in Federbetten einzugraben. Dies macht ihnen Beängstigung, und nöthigt sie zum Schwitzen. Weit zuträglicher ist es statt der mit Federn angefüllten Betten ihnen eine leichte, abgenähte Decke zu geben, die den Körper gar nicht genirt, und worin das Kind nicht zu warm wird: ihr Bett, so wie die Kissen sollen bloß mit weichgeklopftem, zartem Haferspreu gefüllt seyn; denn diese haben den Vortheil, daß die Feuchtigkeiten hindurch gehen, und also das Bett immer trocken ist; auch lassen sie sich sehr leicht von Zeit zu Zeit erneuern. Nur im Winter, oder wenn das Kind schwächlich ist, kann man eine leichte Federdecke erlauben, und doch nur so lang, bis die Kälte gelinder, oder das Kind stärker wird. In Rücksicht der Lage ist zu merken: daß die Kinder etwas erhaben mit dem Kopfe liegen müssen, weil bei einer horizontalen, oder auch mehr rückwärts gehenden Lage das Blut mit einer größern Gewalt nach dem noch so sehr weichen Gehirne strömt, und deswegen schädlich wird, was besonders Lower von den Kindern, die beständig mit konvulsivischen Krankheiten geplagt sind, anmerkt.

Man soll die Kinder hüten, bei kränklichen oder bei Alten im Bette zu schlafen. Das ist der Fall zwar sehr oft, daß aus übertriebener Zärtlichkeit und Sorgfalt alte Großältern, oder Mägde die Kinder bei sich im Bette haben; allein dies kann nur zum größten Nachtheile des Kindes geschehen. Müller sagt: „Aus dieser einzigen Ursache hat man Kinder täglich abnehmen und in Auszehrung verfallen gesehen.“ Es ist hier eine natürliche Transfusion. Sie liegen beide in einem animalischen Dampfbade, woraus dann jeder seine Portion wieder einsaugt. Natürlich muß das um so vortheilhafter für den Alten seyn, je nachtheiliger es dem Kinde ist. Das kannten schon die Römer: Kornelius Agrippa erzählt, daß die Aerzte seiner Zeit viel von Erwärmung des schönen Geschlechts erwarteten. Selbst Galen, der von einem alten Manne wegen seiner Abnahme an Kräften befragt wurde, wollte, daß er bei einem Kinde schlief, um seinen Unterleib davon zu erwärmen[57]. Dem Propheten David wurden ja seine Tage verlängert, indem man ihm (der Erwärmung wegen) ein sehr junges Mädchen ins Bette gab. Desessarz sah bei verschiedenen Kindern beiderlei Geschlechts, daß der Theil ihres Körpers, welcher den Alten, Kränklichen, neben denen sie schliefen, am nächsten lag, schwächer, blässer, und wie ausgezehrt wurde. Derselbe Fall ist oft bei Verheiratheten, vorzüglich wenn der eine Theil alt, kränklich, und der andere jung und gesund ist, daß es sich in wenig Monaten ganz umgekehrt mit ihnen verhält.

Es behaupten zwar mehrere neuere Chemiker und Aerzte, daß junge Thiere die Athmosphäre weit schneller und weit mehr verdürben, als die ältern eben derselben Art, und den Alten also nicht nützen, sondern schaden würden, wenn sie bei ihnen lägen: indessen die Erfahrung widerspricht offenbar hier den theoretischen Gründen.

Man muß die Vorsicht brauchen, unter Tages das Bettchen des Kindes so zu stellen, daß das Tageslicht vom Fenster gerade auf seine Augen fällt. Eben dies gilt auch von der Nachtlampe. Ist das Fenster, oder die Lampe rechts, oder links, oder rückwärts, so gewöhnt sich das Kind mehr auf diese, oder jene Seite zu sehen: es lernt schielen.

Ein andres grobes Vorurtheil, welches unsren Kindern viele Unbequemlichkeit, und vielleicht viele Krankheiten macht, ist das alte, aber, in Rücksicht auf Kinder, alberne Sprichwort: Aurora musis amica. Man will die Kinder zur Arbeitsamkeit gewöhnen, man will ihnen, wie man sagt, ihre Trägheit benehmen, und zwingt sie daher früh aufzustehen, da es doch offenbar der Wille der Natur ist, daß die Kinder lange schlafen sollen. In den mehrsten Instituten müssen die Kinder wegen dieser grundlosen Meinung zu frühe aufstehen. Man scheint gar nicht daran zu denken: daß Kinder verhältnißmäßig weit stärker arbeiten, als Erwachsene. Ueberläßt man sie sich selbst, so ist wohl keines ihrer Glieder einen Augenblick in Ruhe. Lange also müssen sie schlafen; um so länger, je jünger sie sind, und im Winter weit länger, als im Sommer. Denn wir finden, daß Schlafen, wenn sich die Sonne unter dem Horizont befindet, weit erquickender ist, und daß wir auch denn mehr Schlaf haben.

Man wecke die etwas erwachsenen Kinder zu verschiedenen Zeiten und oft mit Geräusch auf, damit sie auch daran für die Folge gewohnt werden; da die gesellschaftlichen Verhältnisse sie gewiß manchmal in ihrem Leben plötzlich aus dem Schlafe bringen werden. — Man gewöhne sie, sich selbst zu wecken. Man verspreche dem Knaben, ihn den andern Tag um diese oder jene Stunde dahin mitzunehmen, wo er viel Vergnügen hoffet, und nehme ihn wirklich nicht mit, wenn er geschlafen hat; so wird er bald das Wecken nicht mehr nöthig haben.


Von der Bewegung.