In der ersten Zeit des Lebens kann natürlich die Bewegung des Kindes bloß darin bestehen; daß man seinen Gliedern freien Spielraum läßt, und es auf dem Arme herumträgt. Das muß aber nun sehr bald (wie oben gesagt worden ist) geschehen; erst im Zimmer, dann im Hause, und endlich täglich in freier Luft, um es vor und nach daran zu gewöhnen.

Nach den ersten Monaten ist vorzüglich das Herumfahren in einem kleinen Wagen sehr vortheilhaft. Größre Kinder genießen dadurch selbst die Wohlthat der Bewegung, und der gesunden Luft, indem sie solche den kleinern mittheilen wollen. Die Kinder bekommen dadurch ein frisches, blühendes Aussehen, ein festes Fleisch, einen ruhigen Schlaf, vermehrte Eßlust, und werden munter und lustig. Man schütze sie nicht ängstlich vor der Sonne; im Gegentheil es ist ihnen sehr zuträglich, nebst der freien Luft auch der Sonne ausgesetzt zu seyn. Wahrlich dient das Licht in der Natur zu mehrerem, als — um Tag zu machen[58]: Sein Einfluß auf die thierische Haushaltung ist schlechterdings unverkennbar. Wohnungen, wozu das Sonnenlicht schwerlich kommen kann, wie bei Gefängnissen und manchen Klöstern, sind feucht, ungesund: Menschen und Pflanzen verbleichen darin, und kränkeln. Man hat daher sehr Unrecht, den Teint des Kindes auf Kosten seiner Gesundheit zu erhalten. Ich glaube mit Berthollet[59], daß die Sonne Mitursache sey, warum die Kinder der Landleute so viel gesunder sind, als die der Städter.

Wenn die Kinder fünf bis sechs Monate alt sind, so lasse man sie unter guter Aufsicht auf einem mit Teppich belegten Fußboden, oder im Sommer auf Grasplätzen herumkriechen. Sie bekommen dadurch einen freiern und leichtern Gebrauch, mehr Festigkeit und Beweglichkeit ihrer Glieder, und lernen daher eher und weit sicherer gehen[60]. Buffon[61] erzählt von den kleinen Negern, daß sie mit ihren Füßen, und Knien eine von den Hüften der Mutter fassen, und sich so fest an die Brust anklammern, wenn sie trinken wollen, daß sie ohne Beihilfe der Mutter hangen bleiben. Sie trinken beständig fort, ohne sich irren zu lassen, oder zu fallen; die Mutter, welche während dieser Zeit arbeitet, mag sich bewegen, wie sie nur immer will. — Wenn diese Kinder zwei Monate alt sind, so fangen sie schon an zu gehen, oder vielmehr sich auf den Händen und Füßen zu schleppen; eine Uebung, die ihnen in der Folge die Fertigkeit gibt, fast eben so geschwind auf allen vieren zu kriechen, als aufrecht zu gehen. — Von Weert sah[62] an der Magellanischen Straße, daß ein Kind, welches noch nicht viel über sechs Monate alt seyn konnte, schon viele Zähne hatte, und allein lief. Die Kinder der Maleyischen Weiber müssen sich uneingewickelt auf einer auf der Erde gespreiteten Matte behelfen, und man sieht sie schon herumlaufen, wenn sie ein halbes Jahr alt sind. Daran ist bloß ihre ungezwungene Behandlungsart Schuld, sie lähmen nicht ihre Kinder nach Sitte der Europäer durch Unthätigkeit, durch zweckwidrige Kleidung, oder durch Einsperren in enge verpestete Zimmer; sie hindern also ihr Wachsthum nicht, und eben dadurch können diese ihre Glieder bald brauchen.

Man hat auf diese Art die so gefährlichen Laufbänder nicht nöthig, die den Kindern an der Brust und Schultern anliegen, und da sie sich (weil sie noch nicht auf den Füßen stehen können) immer mit dem obern Theil ihres Körpers vorwärts neigen, so liegen sie mit ihrer ganzen Last auf dem vordern Theile des Laufbandes; die Brust wird dadurch gedrückt, mehr und mehr hineingepreßt, und das Wachsthum dieses wichtigen Theils des Körpers auf eine sehr nachtheilige Art gestört; besonders da die Mägde sie oft damit schwebend in der Luft halten, und sich hin und her bewegen lassen. — Derselbige Fall ist ungefähr mit den Laufstühlen, worin man die Kinder einsperrt, und so herumirren läßt. Sie bewegen sich fort durch Stöße, welche sie mit der Brust geben, und oft auf eine empfindliche Art wieder erhalten, wenn sie plötzlich gegen eine Mauer prellen; dabei ist noch der Nachtheil, daß den Kindern durch das beständige Stehen die Beine krumm werden.

Auch muß ich erinnern, daß in diesem Alter manche Bewegungen, welche man so oft zum Scherze oder aus Unvorsichtigkeit mit den Kindern macht, äußerst gefährlich sind: manchmal faßt man den Kopf des Kindes zum Spasse mit beiden Händen, und hält ihn in die Höhe; dadurch können die Gelenke der Wirbelbeine bei verlängerten Bändern durch eine leichte hinzukommende Bewegung des Körpers aus ihrer Lage gebracht und verdreht werden, wornach ein plötzlicher Tod oder wenigstens ein krummer Hals die Folge ist.

Aus demselben Grunde soll man den Kopf des Kindes, wenn es aus dem Bette genommen, oder auf dem Arm getragen wird, nicht rücklings fallen lassen, weil das wegen dem von Natur noch knorplichten Zahnfortsatze des zweiten Halswirbelbeins nicht ohne beträchtliche Verletzung und Beschädigung geschehen kann. — Auch ist es eine schädliche Gewohnheit, die Kinder bei den Händen oder Armen zu fassen, und so in die Höhe zu heben; denn hierdurch kann den zarten Kindern nicht nur eine Verrenkung, sondern auch ein Abbrechen von Knochenansätzen zugefügt werden. Es ist ebenfalls gefährlich, Kinder von einem Arme auf den andern zu werfen, und sie beim Stehenlehren auf dem Tische jähling auf die Füße und Knie fallen zu lassen, was die Knochen, die an ihren Enden noch knorplicht sind, und die Hüften selbst verletzen muß. — Fast eben so nachtheilig ist es, das auf dem Arm sitzende Kind gleichsam in die Luft zu werfen, und schnell wieder herabzulassen; denn man legt hierbei, um es vor dem Fallen zu sichern, die linke Hand unter den Körper, die Finger der rechten Hand aber unter die Brust und die Rippen, und drückt nun so nicht allein die Brust zusammen, sondern verdreht auch die Rippen.


Vom Essen und Trinken.