Die meisten liederlichen Leute sind schmutzig und unordentlich. Die guten Wirkungen der Reinlichkeit, oder vielmehr die übeln Folgen der Unsauberkeit und des Schmutzes erklärt Rumford vortrefflich. Unser Körper (sagt er) ist im beständigen Kriege mit allem, was ihm zur Last fällt; und alles wird ihm lästig, was ihm anklebt und ihn reizt. — Und ob wir gleich durch lange Gewohnheit ein physisches Uebel ertragen lernen, daß wir dagegen ganz unempfindlich werden; so gestattet es doch dem Gemüthe keine daurende Ruhe. Es bleibt immer ein gewisses Mißvergnügen und Mißbehagen, eine Unentschlossenheit und ein Widerwille gegen alle ernsthafte Beschäftigung, welcher deutlich genug zeigt, daß das Gemüth nicht ruhig ist.

Auch Garve sagt, Reinlichkeit ist der erste Schritt zur Moralität[102]; es sey nun, daß dieselbe mit der Scham und der Ehrliebe, oder daß sie mit der Verfeinerung der sinnlichen Empfindung verbunden ist.

Aber wie lange, und wie soll man ein Kind baden? Nach den ersten zwei Monaten bringe man die Kinder ein paarmal die Woche in ein Bad, und zwar immer nur auf kurze Zeit, anfangs nur auf einige Minuten; reibe es während der Zeit fast ununterbrochen über den ganzen Leib, und trockne es denn schnell und mit warmen Tüchern ab. Nach und nach verlängere man die Zeit im Bade, so daß das Kind zu Ende des ersten Jahres eine ganze Viertelstunde darin seyn kann. — Man reize sie dabei unter allerhand Scherzen, wozu sie so aufgelegt sind, zur häufigen Bewegung.

Erst nach sechs — acht Wochen, nachdem man das Kind allmählig mit der Luft zu familiarisiren sucht, fängt man auch das Bad mit der atmosphärischen Luft an. Zuerst läßt man es nur eine halbe Viertelstunde in einem etwas erwärmten Zimmer brauchen, steigt nach der Stärke und Constitution des Kindes, u. s. w. und macht dabei, daß das Kind in steter Bewegung ist.

Aus dem Gesagten wird nun nicht schwer zu beweisen seyn, daß auch die Taufe mit kaltem Wasser der Gesundheit des Kindes nicht zuträglich seyn kann. Der Kopf des Kindes ist im Verhältnisse zum ganzen Körper der beträchtlichste Theil, er ist wegen Unvollkommenheit der Hirnschale wenig gegen die Wirkungen äusserlicher Gegenstände gesichert, und da nun auch Erkältung jedes Theils beim Neugebornen so sehr nachteilig ist; so ist es wohl klar, daß die Erkältung des Kopfes manchem Kinde das Leben kosten mag. Nach Erkältung anderer Theile des Körpers, wenn man sie gleich nach der Geburt erkältet, entstehen oft Krämpfe, Zuckungen, Erstarrungen, krampfhafter Husten, Augen-Hals-Brustentzündungen, Schluchsen, Erbrechen, Durchfälle mit Koliken, Gelbsucht, u. s. w. Silvius Anhorn erwähnt eines neugebornen Kindes, das mit den Füßen in kaltes Wasser getaucht, und darauf mit einer vollkommnen Gelbsucht befallen wurde, die den Tod nach sich gezogen hat. Hippocrates und Galen sagen schon, daß viele Kinder von heftigen Convulsionen bei einer feuchten und kalten Witterung angegriffen würden. In den französischen Besitzungen[103], wo die Hitze groß, aber nicht so heftig als in Senegal ist, müssen die Kinder der Neger die ersten neun Tage nach der Geburt in wohlverschlossenen und eingeheizten Stuben gehalten werden; unterläßt man dieses und setzt sie gleich nach der Geburt der Luft aus, so bekommen sie den Kinnbackenzwang, der sie verhindert, Nahrung zu sich zu nehmen und den Tod verursacht.

Obschon aber eine solche Empfindlichkeit bei den Kindern unsres mäßigen Erdstrichs nicht Statt hat; so kann man sich doch leicht vorstellen, was für Folgen daraus entstehen können, wenn man einem so eben aus dem mütterlichen Schooße gekommenem Kinde einen guten Theil kalten Wassers gähe auf den Scheitel gießt. Wie ziehen sich nicht alle Theile zusammen, wenn wir Erwachsene uns mit entblößtem Leibe in ein kaltes Bad begeben! Zimmermann[104] sagt: „Es ist in Malabar nichts seltenes, Leute mit gelähmten Gliedmaßen aufstehen zu sehen, die des Abends an einem der Nachtluft ausgesetzten Orte schlafen gingen.“ In Südcarolina entsteht im heißen Sommer ein fürchterlicher, den Kopf rückwärts ziehender tödtlicher Krampf, wenn nach starker Hitze ein kalter Regen einfällt[105]. Mauriceau und Brouzet sahen Kinder, die mit kaltem Wasser getauft waren, aus dieser Ursache sterben. — Vielleicht trug dies mit dazu bei, daß ehemals, als das Taufen außer der Kirche ganz ungewöhnlich war, viele Kinder in meinem Vaterlande durch die Mundklemme weggerafft wurden; ich kenne Mütter, denen von 7 Kindern 2 an dieser Krankheit starben, sie trat auch immer fast in den ersten Tagen des Lebens ein, so daß die Weiber nicht mehr in dieser Hinsicht für das Leben ihres Kindes besorgt waren, wenn es neun Tage überlebt hatte.

Es wäre also sehr zu wünschen, daß man alle Kinder in den Häusern taufte, und dazu das Wasser, auch im Sommer, lauwarm machte. Besonders muß das Taufen in den kalten Kirchen auf dem Lande sehr nachtheilig seyn; da man oft gezwungen ist, die Kinder Stunden weit nach der Kirche zu schicken. Daher gab auch schon der letztverstorbene weise, als Fürst, als Bischof, und als Mensch so verehrungswürdige Fürst von Würzburg im Jahre 1790 den Befehl, daß seine Geistlichkeit im Winter die Kinder ohne Rücksicht des Standes im Hause taufen sollte, wenn es die Eltern verlangten.


Von den Blattern.