Vater Ziemens (feierlich aufstehend). Mein Sohn, das Talent des Armen muß noch brache liegen, wie der Acker einer wüsten Insel und Disteln zeugen, geiles Unkraut, statt süßer Frucht und edlen Saamen. Hier in der erstorbenen Brust wird er geboren erst, der große Held, der es erlösen soll! — Ach, auch ich verfolgte ehemals Deine Spur! Da stand vor der Thüre draußen ein alter Lindenbaum, der Urgroßahn meines Vaters hatte ihn gepflanzt. Ein böses Wetter zieht herauf und bricht ihm seinen morschen Fuß. Ich, ein Jüngling schon von vier und zwanzig Jahren, komme heim von Arbeit und seh's! Erlebtest nie, daß sich erfüllte, was man unter dir geträumt; dein stolzes Dach beschattete des Lebens Kummer nur, des Lebens Trauer: ich will ein Bildniß fertigen aus deinem Holz, durch das die Menschen sich erinnern mögen und mit gutem Vorsatz stärken. Gesprochen, gethan! Es gelang mir wunderbar und zeugt von meinem höheren Beruf! Wohl sahst Du's schon manchesmal, wenn innige Andacht Deinen Blick nach Oben lenkte; dort in unserer Kirche hängte, über der Altarnische am schwarzen Kreuz, das Haupt mit Dornen gekrönt und sterbend gesenkt! . .

Albert (Nach einer Pause). — Der Verzagte erlebt des Erlösers Auferstehung nie! (Er sucht seine Sachen.)

Vater Ziemens (gerührt, mit leiser Stimme). So lassen wir Gott walten, edler Jüngling! Du bleibst bei Deinem alten Freunde bis zur künftigen Scheidestunde — hörst Du?

Albert. Ich darf nicht; Marie kündigte mir; 's ist Euer wohlgeprüfter Wille, daß ich geh'.

Vater Ziemens. Mein Herz widerruft was Schwäche ihm eingab!

Albert. Die Vernunft war's, seine Stärke!

Vater Ziemens. Kränkten wir Deinen Stolz? O vergieb!

Albert. Schwacher Alter, Sie erschweren mir den Abschied!

Vater Ziemens. Bleib! Sei Erbe dieser dürftigen Hütte! In ihr ruht die Hoffnung manches Jahrhunderts! 's ist ein vergrabener Schatz.

Albert. Das Nothwend'ge muß gescheh'n!