»Das ist aber unrecht von Georgs Mutter, daß sie mir das verheimlicht hat,« ereiferte sich Frau Haßler.

»Nicht doch, Mutterle, sie weiß vielleicht gar nichts darüber. Erst kurz vor meiner Abreise hörte ich davon sprechen — allerdings mit großer Bestimmtheit. Und so dumm wäre das gar nicht von Schorschchen — er käme da in ein gemachtes Bett! Professor Brause ist ein schwerreicher Mann, Marianne das einzige Kind, man bezeichnet ihn jetzt schon als die rechte Hand des Professors, der ihn ungemein schätzt und hochhält, wäre ihm das schließlich so zu verdenken?«

»Nein, durchaus nicht,« sagte Beate mit seltsam tonloser Stimme und trank hastig ihr Glas leer.

Ihre Hand zitterte, als sie es auf den Tisch stellte, und einen Moment schloß sie die Augen. Als sie die Wimpern wieder hob, blickte sie gerade in Rolfs forschende Augen, und sie hatte das Bewußtsein: er ahnt, was in dir vorgeht! O, nur das nicht! Gerade er durfte nicht wissen, wie unglücklich sie sich in diesem Augenblick fühlte — daß sie verschmäht wurde, da, wo sie doch noch im stillen liebte und hoffte!

Sie zwang sich zur Heiterkeit und ging lachend auf die Scherze des Bruders ein. Aber die Wangen brannten ihr vor innerer Aufregung, und sie sehnte die Stunde herbei, in der sie endlich allein in ihrem Zimmer war.

Dort saß sie dann mit gefalteten Händen auf dem Rande ihres Bettes und starrte vor sich hin. An ihrem Schmerz fühlte sie, wie sehr sie Georg noch liebte, wie tief in ihrem Innersten der Gedanke an ihn gelebt, wie sie gehofft, ihn durch ihre Erfolge doch noch zu überzeugen, daß er ihr unrecht getan mit seiner Forderung, auf das Studium zu verzichten; jetzt wäre sie gerne sein Weib geworden und hätte Hand in Hand mit ihm gearbeitet; welch köstlich Leben wäre das geworden, und nun nahm er eine andere!

Brennende Tränen traten in ihre Augen, und in Grübeln und Sorgen verbrachte sie die Nacht.


4.

Acht Tage waren vergangen, in denen Adolf Haßler und sein Freund das Haus mit frischem, fröhlichem Leben erfüllt hatten. Immer gab es etwas anderes; die beiden hielten alle in Atem, und wider Willen fast wurde Beate mit fortgerissen. Sie machte Ausflüge mit ihnen und lachte und scherzte wie wohl nie zuvor in ihrem Leben. Sie mußte sich ja beherrschen und durfte nicht ahnen lassen, was in ihr vorgegangen war; denn sie fühlte, wie Rolf von Hagendorf sie beständig beobachtete. Er war der ritterlichste, aufmerksamste Gesellschafter, den sie sich denken konnte, und in der zartesten Weise brachte er ihr seine Huldigungen dar.