»Mögen Sie sie?« Schnell tat Beate die Blumen in eine Vase, die sie auf das Tischchen neben dem Liegestuhl Rolfs stellte. »So, Herr von Hagendorf, nun sollen Sie auch noch Freude an den Rosen haben! Und jetzt ruhen Sie noch ein wenig; ich verordne es Ihnen! Sie wissen, seinem Arzt muß man stets gehorchen.« Eine reizende Schelmerei klang aus ihren letzten Worten.
»Ja, ich will es tun, wenn Sie mir eine Weile Gesellschaft leisten, Fräulein Beate, ich bitte Sie.«
Sie errötete ein wenig; dann — mit einem schnellen Entschluß — zog sie einen Stuhl zu sich heran. »Gern, Herr von Hagendorf. Sie sollten aber eigentlich schlafen.«
Er nahm seinen früheren Platz wieder ein. »Schlafen? Nein, Fräulein Beate! Ich bin glücklich, wenn Sie mir armen Sterblichen die Gunst Ihrer Anwesenheit schenken.«
Lachend nahm sie neben ihm Platz. Bequem lehnte sie sich in den weiten Korbsessel zurück, die Arme auf dessen Lehne legend. »Aber Herr von Hagendorf, wenn Sie unsere Unterhaltung so beginnen, vertreiben Sie mich in der nächsten Minute wieder! Sie dürfen nicht so billige Phrasen machen.«
»Verzeihung, ich vergaß —« er lächelte, was ihm einen hinreißenden Ausdruck verlieh, »ich vergaß, daß Sie, Fräulein Beate, mit einem anderen Maßstab — nein, nein, Sie brauchen mich nicht so strafend anzusehen; ich schweige schon, aber doch das denkend, was ich nicht sagen darf!«
Er machte eine kleine Pause, während er sie lächelnd ansah. Unbefangen hielt sie seinem Blicke stand, und er fuhr fort: »Nicht wahr, ich bin gehorsam, Fräulein Beate? — Wie war ich im Anfang um eine Anrede verlegen! »Gnädiges Fräulein« ist für Sie viel zu banal, und »Fräulein Doktor« geht mir bei so viel Schönheit und Anmut doch nicht so recht über die Lippen, und so nenne ich Sie einfach bei Ihrem Vornamen, ich darf doch? Er ist so schön, so eigenartig, ich spreche ihn gern aus. Beate, meine Seligkeit — das hab’ ich aus dem Lateinischen noch behalten — oder ist’s doch nicht ganz richtig?«
Sie errötete leicht. Er hatte eine Art an sich, die sie manchmal verwirrte.
So hatte Georg Scharfenberg nie zu ihr gesprochen. Immer hatte er sie schulmeistern, bevormunden wollen, ihre Persönlichkeit unterdrücken, und hier offenbarte sich ihr eine fast schrankenlose Bewunderung. Sie war doch so viel Weib, um das angenehm zu empfinden; es umschmeichelte sie, und vielleicht war es nicht ganz ohne Reiz für sie, ihre Macht zu erproben.
Mehr als einmal hatte sie, besonders jetzt, daran denken müssen, wie Georg Scharfenberg ihr gesagt, ihre Schönheit ginge in ihrem anstrengenden Beruf verloren. Es mußte aber doch wohl nicht so gewesen sein; denn mit dem feinen Instinkt der Frau fühlte sie, daß sie dem jungen Offizier gefiel, ja, daß sie ihm nicht gleichgültig war. Seine Augen führten eine zu beredte Sprache, die sie gar wohl verstand, und sie konnte sich auch nicht ganz dem Reiz entziehen, der von diesem ungewöhnlichen Beisammensein ausging; die Mittagsstunde umspann sie unmerklich mit ihrem Zauber.