»Darf ich Sie etwas fragen, Fräulein Beate?« unterbrach er die Stille mit seiner schmeichelnden weichen Stimme, indem er sich zu ihr neigte, »aber nicht böse sein; wenn ich vielleicht ein wenig neugierig bin; ich habe so viel über Sie nachgedacht: weshalb haben Sie eigentlich nicht geheiratet? Denn bei Ihren Vorzügen müssen Sie doch sicher der Frage näher gestanden haben.«

»Sehr einfach, Herr von Hagendorf, weil ich nicht wollte, weil mein Beruf mir volle Befriedigung gibt«, sagte sie lächelnd, frei seinem forschenden Blick begegnend, wenngleich ihr bei dieser unvermuteten Frage doch das Herz etwas klopfte — sie mußte an Georg denken!

»Wirklich?« —

»Ja, weshalb zweifeln Sie daran? Es war doch mein freier Wille, Ärztin zu werden; mich hat niemand dazu gezwungen. Im Gegenteil, nach vielen Kämpfen erst habe ich es durchgesetzt. Doch Sie wissen ja alles, und warum Längstgesagtes wiederholen? Ich werde nicht gern an jene Zeit erinnert.«

»Und doch ist es schade,« sagte er leise.

»Wieso? ich verstehe Sie nicht.«

»Nun, — es ist schade, daß so viel Schönheit und Anmut, wie Sie besitzen, Fräulein Beate, in Ihrem anstrengenden Berufe vergehen sollen, wie sehr würden Sie einen Mann damit beglücken können, der in Ihnen sein Höchstes sieht, sein alles.« Heiß kam das von seinem Mund, und leidenschaftlich ruhten seine Augen auf ihr.

Ihre Brust hob sich in schnellen Atemzügen, und die Farbe kam und ging auf ihrem Antlitz. Er verwirrte sie mit seinen heißen, werbenden Worten, so daß sie nicht wußte, was entgegnen. Sie senkte die Augen vor seinen verzehrenden Blicken. Da griff er nach ihrer Hand: »Beate!«

»Nicht doch, Herr von Hagendorf, nein.« Hastig sprang sie auf, dunkelrot im Gesicht, und er erhob sich ebenfalls.

Er trat dicht hinter sie und flüsterte ihr ins Ohr: »Beate, süßes, angebetetes Weib, ahnen Sie denn nicht, wie es in mir aussieht, wie Sie meine Gedanken so ausschließlich beherrschen, daß nichts anderes mehr Raum in ihnen hat?« Dabei legte er seinen Arm um ihre schlanke Hüfte, zog sie unwiderstehlich an sich und suchte ihren Mund in heißem Kusse.