Sie war wie betäubt. Halb hingebend, halb widerstrebend duldete sie seine Liebkosung. »Nun bist du mein,« frohlockte er und preßte sie von neuem an sich.
Da kam sie zur Besinnung. Sie suchte sich aus seiner Umschlingung zu befreien; er ließ sie nicht; und da sah sie zu ihrem größten Schrecken den Bruder in der Tür stehen. Der hatte die Arme in die Seiten gestemmt und blickte aufs höchste überrascht von einem zum andern. Da überkam sie eine große Trostlosigkeit, und matt ließ sie die zum Widerstand erhobenen Hände wieder sinken.
»Na, Kinder, hört mal!« rief Adolf, nachdem er sich von der ersten Überraschung erholt. »Na, das ist — mir fehlen einfach die Worte, ich bin baff!«
»Du hast doch längst gewußt, alter Junge, wie sehr ich deine Schwester verehre,« sagte Rolf warm.
»Natürlich! Aber daß Beate — im Ernst, das hätte ich nicht geglaubt! Wieder mal ein Beweis, daß du wirklich Hans im Glück bist!«
»Deshalb, lieber Adi, wirst du uns hoffentlich deinen Glückwunsch nicht versagen?«
»Nee, Kinder, meinen Segen habt ihr.« Halb gerührt, halb lachend umarmte er die beiden. »Wenn du aber jetzt denkst, daß ich um die Verlobungsbowle kommen soll, bist du sehr im Irrtum, ich telegraphiere. Einen Tag gebe ich zu, den darf mir der Alte nicht vorenthalten, umsomehr, da es meine Familie ist, aus der ihm der Zuwachs ins Regiment kommt. Und was für einer! Fast könnte ich dich beneiden, wenn es nicht meine Schwester wäre! Nun aber schnell ein paar Flaschen Sekt aufs Eis, das frohe Ereignis zu begießen! Was werden die alten Herrschaften sagen! Entschuldigt, wenn ich euch noch einige Minuten allein lassen muß.« Er zwinkerte mit den Augen, ehe er davon eilte, die beiden in drückendem Schweigen zurücklassend.
Beate stand da, leichenblaß im Gesicht, und zwei große Tränen tropften langsam aus ihren Augen. Ihr Anblick rührte ihn; er trat auf sie zu und faßte ihre Hand. »Beate, können Sie mir verzeihen?« fragte er leise. Sie zuckte unter seiner Berührung zusammen und wandte sich ab.
Er wußte wohl, daß er sie mit seiner stürmischen Werbung überrumpelt hatte, und daß sie bei ruhiger Überlegung nicht so schnell oder vielleicht gar nicht die Seine geworden wäre.
Dieses Bewußtsein gab ihm etwas Niederdrückendes, Unfreies und verdarb ihm die Freude, daß Beate jetzt ihm gehörte. »Beate, ich kann ja selbst nichts dafür; eigentlich bin ich ja furchtbar glücklich. Aber wenn ich Sie so traurig dastehen sehe, weil Adolf uns so schnell miteinander verlobt hat, wird mir das Herz schwer. Wollen Sie nicht versuchen, mir nur ein wenig gut zu sein?«