»Na, Mädel, endlich mal was Gescheites, was du getan, freue mich unbändig, daß du noch rechtzeitig hinter das alte Wort gekommen bist: es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei.«

Etwas lauter noch als sonst und etwas geräuschvoller sprach Herr Haßler, wohl um die Rührung, die ihn überkam, zu unterdrücken. Er faßte ihre Hände und preßte sie heftig, mit feuchten Augen in ihr schönes Gesicht sehend. Dann führte er sie zu Rolf: »Hier mein Junge, haben Sie sie, und machen Sie mir mein Mädel, meine Einzige, recht glücklich, sie verdient’s.«

Blaß vor innerer Erregung sah Rolf auf die Geliebte, und mit seiner unverletzten Hand zog er sie an sich. Er drückte einen Kuß auf ihre klare Stirn: »Meine Bea,« flüsterte er innig.

Währenddessen hatte Adolf, dem die allgemeine Rührung ungemütlich wurde, mit geübter Hand eine Flasche Sekt geöffnet und goß das schäumende Naß in die Kelche. »Auf euer Glück, Freund und Schwesterchen,« und in einem Zuge trank er das Glas leer.

Still beglückt saß Rolf neben der Braut, die er immer von neuem entzückt betrachtete. Nun war sie sein, die stolze, kluge Beate! Und wie schön war sie mit ihren großen, leuchtenden Augen in dem zarten, durchgeistigten Gesicht und der schweren Haarkrone darüber. Er konnte sich mit ihr sehen lassen!

Seine Verlobung würde wie eine Bombe in die Gesellschaft von S. schlagen, das wußte er, und ebenso, daß seine Erwählte die schärfste Kritik über sich ergehen lassen mußte — aber »Doktor Beate« stand über allen, und dieses Bewußtsein erfüllte ihn mit Hochgefühl. — —

Rolfs erbetener Nachurlaub war zu Ende. Noch vor seiner Abreise wurde die Hochzeit festgesetzt, die im März stattfinden sollte. Beim Abschied drückte er seine Braut heftig ans Herz. »Lerne mich lieben, Beate, ich bin eifersüchtig, wenn deine Gedanken nicht ausschließlich mir gehören,« bedeutungsvoll sah er sie an; sie verstand die stumme Mahnung und senkte den Kopf.

War ihr Inneres denn so durchsichtig für ihn, hatte sie sich so wenig in der Gewalt, daß er doch gemerkt, welches Interesse sie noch immer für Georg Scharfenberg hegte?

Rolf hatte an jenem Tage zu ihr davon gesprochen, als sie erfahren, daß der Jugendfreund doch nicht verlobt war. Der Erwählte von Marianne Brause war ein Freund von Georg, ein Marinearzt, und durch seine Vermittlung hatten die heimlich Verlobten miteinander korrespondiert. An dem Gerede sei kein wahres Wort, hatte Georgs Mutter erzählt, und hinzugefügt, daß ihr Sohn überhaupt nicht ans Heiraten denke, sondern sein Leben lediglich der Wissenschaft widmen wolle.

Da war es, als ginge ein Stich durch Beates Herz, und ein Gefühl sagte ihr, daß es nur ihretwegen sei.