Da fragte Rolf seine Braut, der er ihre Bewegung wohl ansah, nach Georg. Offen gestand sie ihm zu, daß sie Scharfenberg wohl geliebt, aber doch aus tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten auf ein Leben an seiner Seite verzichtet habe.
»Aber du denkst dennoch noch an ihn, Beate — und in Liebe?« — Einen Augenblick zögerte sie mit der Antwort, ehe sie sagte: »Wohl habe ich öfter seiner gedacht, ob aber in Liebe? Er ließ mir damals die Wahl zwischen seiner Liebe und der Wissenschaft — wie du weißt, wählte ich das letztere.«
»Und jetzt?«
»Jetzt, Rolf, bin ich deine Braut, und da erübrigt sich wohl alles andere,« entgegnete sie ernst. — Ungestüm umschloß er sie. »Ja, ja Geliebte! Aber doch ist es mir, als stünde er zwischen uns, ich weiß es, du hast noch viel für ihn übrig.«
»Das ist wohl begreiflich, Rolf, da mich so viele Erinnerungen mit ihm verbinden. Wir haben zusammen gespielt; er war mein geduldiger Lehrer, dem ich viel zu verdanken habe, und dennoch habe ich ihm sehr wehe getan. Wir haben uns nie wiedergesehen. Doch lassen wir das, Rolf, wozu alte Erinnerungen heraufbeschwören.«
So ganz zufrieden war er aber doch nicht mit dieser Erklärung, wenngleich er sich hütete, weiter zu forschen. Beate war ein eigenes Geschöpf, das anders als die andern behandelt sein wollte. Er begriff das und richtete sich darnach. Denn er liebte seine Braut leidenschaftlich und sehnte den Tag herbei, der sie ihm ganz zu eigen gab. Auch war etwas wie verletzte Eitelkeit in ihm, daß sie ihm so ruhig zugab, einst den Jugendfreund geliebt zu haben, ohne ihm dann aber zu versichern, daß er, Rolf, jetzt ihr alles sei, das wurmte ihn — sie sollte nur allein noch an ihn denken!
Zur Kräftigung ihrer Gesundheit brachte Beate den Januar im Süden zu, nachdem sie sich noch von ihren Verbindlichkeiten gelöst. Es war ihr doch sehr schwer geworden, sich von der Stätte der liebgewonnenen Tätigkeit loszusagen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie Abschied von den Kollegen nahm, die ihr in herzlichsten Worten Glück wünschten.
So lag dieser Abschnitt ihres Lebens endgültig hinter ihr.