»Mit »allgemein« kannst du sicher nur Frau von Malten meinen, deren boshafte Zunge ich längst kenne; ich wundere mich aber nur, daß du dich so von ihr beeinflussen läßt.«

»Und du warst sicher glücklich, endlich deinen Jugendfreund wiedergesehen zu haben.«

Beate blieb stehen. »Willst du mich durchaus kränken, Rolf? — ich habe dir keine Veranlassung dazu gegeben! Du weißt um meine Jugendfreundschaft mit ihm, weißt auch, was ihr ein Ende gemacht hat. Frau Berthold hätte uns nicht als Tischnachbarn bestimmt, wäre ihr das bekannt gewesen — für diesen Zufall bin ich nicht verantwortlich.«

»Anscheinend war er dir aber nicht unangenehm?« Rolf war in eine etwas gereizte Stimmung geraten, deren Grund er sich selbst kaum erklären konnte.

War es die Anwesenheit Scharfenbergs bei Bertholds, oder eine boshafte Bemerkung Frau von Maltens über Beates Gelehrsamkeit — genug, er wußte es nicht, und die ruhigen Entgegnungen seiner Gattin reizten ihn fast, daß er sich zu seinen mißtrauischen Fragen hinreißen ließ. »Wenn du mich fragst, Rolf, nein« — entgegnete sie gelassen, »seine Unterhaltung im Verein mit der Frau Bertholds war mir in der Tat eine angenehme Abwechslung — ich hörte einmal etwas anderes reden, als daß die Glockenröcke so ungeheuer schick seien, aber doch sicher bald wieder unmodern würden.«

Ein leiser Sarkasmus klang aus ihrer Stimme — sie wollte durchaus keine Szene und ging ruhig weiter, nahm aber den angebotenen Arm des Gatten nicht an.

Rolf sah an ihrem Gesicht, daß es nicht ratsam war, weiter zu sprechen. Durch seine Worte, die ihm vielleicht von einer gewissen Eifersucht diktiert waren, hatte er ihr die Stimmung verdorben, und in etwas ungemütlichem Schweigen legten sie den Rest des Weges zurück. — — —

Beate von Hagendorf lebte jetzt sehr zurückgezogen, und sie war froh, einen Grund dazu zu haben. Nur mit der ihr so lieben Frau Hauptmann Berthold verkehrte sie, und durch sie hörte Beate auch noch manchmal von Professor Scharfenberg. Sie hatte ihn einmal kurz nach dem Abend ihres Wiedersehens auf der Straße getroffen. Er hatte grüßend den Hut gezogen und war stehen geblieben, sich nach ihrem Befinden zu erkundigen. Es waren gleichgültige Worte gewesen, die man gewechselt, und doch war Beate in einen Zustand der Unruhe versetzt worden.

Nein, es war nicht gut, daß sie mit ihm zusammenkam; es schaffte ihr nur unnütze Aufregung und brachte sie aus dem schönen Gleichmaß ihrer Seele, zu dem sie sich hindurchgerungen. Sie durfte auch Rolf das nicht antun, sich so viel in Gedanken mit dem Jugendfreund zu beschäftigen — denn ihr Gatte trug sie jetzt förmlich auf Händen; er konnte sich in Aufmerksamkeiten nicht erschöpfen. — — —

Und als die Rosen blühten und die Erde in herrlicher Blütenpracht prangte, hatte Beate dem Gatten einen Sohn geschenkt. Seine Freude war unbeschreiblich. Bebend vor innerer Bewegung kniete er an ihrem Bette und küßte ihre Hände voll heißer Dankbarkeit. Beate hatte schwer gelitten; sie konnte sich trotz ihrer kräftigen Natur lange nicht erholen. Wochenlang war sie bettlägerig, und die Sorge wich nicht von ihrem Lager.