Der Kaffeetisch war bereits gedeckt, und Beate bediente die Eltern. Der Mutter trug sie die Tasse nach dem Fenster, weil diese zu ihrer Arbeit das volle Tageslicht brauchte. »Hier alter Herr, zur Beruhigung!« lächelte sie dem Vater zu. »Ist genügend Sahne und Zucker daran? Und hier Kuchen — Mutters Osterkuchen winkt so verlockend.«
Er nahm ein Stück davon und versuchte den Kaffee. »Alles richtig getroffen.«
Lächelnd sah sie ihm zu, während sie mit dem Löffel in ihrer Tasse rührte.
Rechtsanwalt Haßler war einer der beliebtesten und meistbeschäftigtsten Anwälte der Stadt. Er war ein Mann in guten Verhältnissen. Zwei Kinder nannte er sein eigen, einen Sohn von fünfundzwanzig Jahren und Beate, die Tochter, die neunzehn Jahre zählte. Sie war ein außerordentlich begabtes Kind, sodaß die Eltern ihren Bitten nicht hatten widerstehen können, ein Gymnasium zu besuchen. Dort hatte sich immer mehr der Wunsch in ihr befestigt, zu studieren. Es dünkte sie herrlich, immer weiter in den Born des Wissens zu tauchen, in die Geheimnisse der Wissenschaft einzudringen.
Und heute stand sie am Ziel ihrer Wünsche; die Eltern hatten nachgegeben!
»Rate, Beate, wer jetzt über die Straße kommt?« sagte da Frau Haßler, in den Fensterspiegel blickend.
»Kläre Brückner?«
»Nein, ganz jemand anders! Doch du wirst sicher nicht darauf kommen.«
Die Hausglocke schlug hell an, und wenige Minuten später meldete das Mädchen: »Herr Doktor Scharfenberg.«
Ein freudiges Rot überflog da Beates Gesicht. »Soll ’reinkommen!« rief der Rechtsanwalt gemütlich.