»Ist schon da!« Eine schlanke Männergestalt stand im Rahmen der Tür und eilte dann auf das Ehepaar zu. »Tag, Onkel! Tag, Tantchen! Wie gehts euch denn? Und da ist auch Bea — Mädel, bist wohl noch gewachsen?«
Freudestrahlend blickte er sie an, während er ihr herzlich die Hände drückte.
Endlich war die Wiedersehensfreude zu Ende, sowie die übrigen Fragen nach dem Befinden. »Bei euch ist’s immer noch so gemütlich! Wie heimelt mich doch das Wohnzimmer hier gerade an, Tante Christine,« sagte er herumblickend, »dort in jener Ecke hinter dem Ofenschirm haben wir so oft gesessen, Adolf und ich, und die gebackenen Pflaumen und Birnen verspeist, die wir dir so fein aus deiner Vorratskammer zu stibitzen verstanden hatten —,« man lachte, und er fuhr fort: »und neue Gardinen hat Tantchen, sogar ganz moderne — Brises-Brises — oder wie die neumod’schen Dinger heißen — Mutter hat ja auch welche — darum habe ich dich gar nicht sehen können, Tante, so sehr ich auch nach deinem Fenster gespäht.«
»Für mich ist das aber umso günstiger! Dann kann ich beobachten, was auf der Straße vorgeht, ohne gesehen zu werden!«
»Fängt Tantchen auf ihre alten Tage noch an, neugierig zu werden? Ei, ei, das ist ein Fehler, den ich noch gar nicht an ihr bemerkt habe,« scherzte er, »sollten die Jahre dich verändert haben?«
Er hatte eine so kindlich-fröhliche Art, die unwillkürlich die Herzen für ihn einnahm. »Nun sag’ erst einmal, Schorschchen, hast du Adolf gesehen? Er schrieb, daß er keinen Urlaub habe bekommen können.«
»Nur flüchtig hab’ ich ihn gesprochen; ich hatte in letzter Zeit rasend zu tun, und er war dienstlich ebenfalls sehr in Anspruch genommen. Im übrigen geht es ihm gut; er ist wieder etwas magerer geworden. Pfingsten hofft er fünf Tage herauszuschlagen!«
»Das freut mich! Ohne den Jungen hab’ ich gar kein richtiges Fest!« meinte Frau Haßler. »Trinkst du vielleicht ein Täßchen Kaffee mit uns? Es gibt heute frischgebackenen Quarkkuchen.«
»Der ja deine Spezialität ist. Da kann ich nicht widerstehen.«
Beate bediente ihn; sie goß ihm Kaffee ein und bot ihm Kuchen an. Mit Entzücken ruhten Georgs Blicke auf dem schönen Mädchen, dessen Bewegungen von großer Anmut und Ruhe waren. »Wann bist du gekommen?« fragte Herr Haßler.