Er nickte; dann drückte er einen Kuß auf Martinas Hand und ging.

Teilnahmsvoll sah sie ihm nach. Jetzt war ihr so vieles klar, daß er keinen Besuch in Villa Hagendorf gemacht, sein sichtliches Fernhalten von der Familie mit der Begründung, daß ihm der junge Offizier nicht so viel Sympathie einflöße, um in ihm den Wunsch zu erwecken, mit ihm zu verkehren. Armer Mann! Er wollte sich nur nicht die unnütze Qual auferlegen, die Geliebte als die Frau des anderen zu sehen.

Aber daß Beate — sie schüttelte verwundert den Kopf. Welch seltsam Ding ist doch das Frauenherz!

Kurze Zeit danach kam Hauptmann Berthold nach Hause. Zärtlich umfing er seine Gattin. »Nun, mein liebes Geburtstagskind, du siehst so erregt aus, hast doch wohl Besuch gehabt?«

»O, nur Beate. Und dann kam auch noch Scharfenberg.«

»Das sind dir ja liebe Leute! Doch jetzt schnell mit meiner Neuigkeit vom Herzen, die dich sehr verwundern wird. Du mußt die Tischordnung umstoßen. Plessow hat mich soeben gebeten, ihm auf jeden Fall Fräulein Düsing als Tischdame zu geben. Er hat sich gestern mit ihr verlobt.«

»Gottlob, nun wird doch Hagendorf endlich zur Besinnung kommen,« sagte Martina mit wahrhaft erleichtertem Aufatmen, »ob er es schon weiß? Scharfenberg hat ihn vorhin erst mit ihr und der Malten im Promenadencafe gesehen.«

»Auf keinen Fall werden sie schon davon gesprochen haben, denn es soll eine große Überraschung für die Gesellschaft sein. Man hat geplant, daß bei uns die Verlobung bekannt gegeben werden soll, und zwar erst nach zwölf, also morgen; denn da feiern Maltens ihren siebenjährigen Hochzeitstag — aus diesem Grunde wollten sie warten, wie Plessow sagte.«

»Und auch besonders darum, weil Viola Düsing die Sensation liebt. Sie will selbst Zeuge von der Überraschung sein, die ihre Verlobung hervorrufen wird; sie will die erstaunten Gesichter aller sehen, besonders Hagendorfs, mit dem sie in unverantwortlicher, wirklich frivoler Weise kokettiert hat. Ich bewundere nur Plessow, wie er das so ruhig mit hat ansehen können.«

»Der gute Philipp! Übrigens ist er ganz unheimlich glücklich; er kann die Zeit kaum erwarten, bis die Düsing vor aller Welt seine Braut wird; er strahlte förmlich vor Seligkeit, als er mir die Mitteilung machte.«