»Möge es ihm nur gut bekommen! Von Herzen wünsche ich es ihm. Ich allerdings bin von diesem Zuwachs des Regiments nicht sonderlich erbaut. An einer Düsing haben wir gerade genug! Doch wollen wir nun sehen, wie wir die Plätze verteilen. Haffner sollte ursprünglich die Düsing führen. Er wird sehr enttäuscht sein! Und dann möchte ich dir auch etwas von unserem Professor sagen — nein, jetzt nicht, nach Tische — komm, Schatz.«

Sie nahm seinen Arm, und beide schritten nach dem schon festlich hergerichteten Speisesaal, um dort die gewünschte Änderung vorzunehmen.


7.

Mit den widerstreitendsten Empfindungen war Beate Hagendorf nach Hause gekommen. Nichts war ihr peinlicher als das Bewußtsein, eine Lüge ausgesprochen zu haben, wenn sie auch selbst im guten Glauben geredet; was mußte Martina denken! Wie konnte Rolf ihr das antun! Alles wegen dieser Malten!

Einem Blitzstrahl gleich flammte da in ihr die Erkenntnis auf, daß Rolf sie schon mehrmals belogen, und ein Argwohn erfüllte sie, der ihrer vornehmen Seele bisher fremd gewesen war. Ihr Gatte hatte Heimlichkeiten hinter ihrem Rücken — er spielte falsches Spiel mit ihr. Dies und jenes fiel ihr ein, worüber sie sonst gar nicht nachgedacht, was sich aber zu einer Kette von Beweisen verdichtete; wie Schuppen fiel es jetzt von ihren Augen. Seine täglichen Spazierritte, sein häufiges Ausgehen, seine Launenhaftigkeit und Verdrossenheit gegen sie, alles das hatte einen tieferen Grund — und der war Viola Düsing! Jetzt war ihr alles klar.

Ein bitteres Lächeln zuckte um ihren Mund; sie empfand aber gar keinen Schmerz darüber, und daran fühlte sie, daß ihr Gatte ihr vollkommen gleichgültig war. War sie aber besser als er? Fast scheu sah sie sich um, als habe jemand ihr diese Worte laut zugerufen. Nein, sie war nicht besser, gab sie sich in grausamer Selbsterkenntnis zur Antwort; denn auch sie liebte einen andern! Aber sie kämpfte wenigstens ehrlich gegen diese Liebe, die kein Sinnenrausch war, sondern nur die Erkenntnis, daß sie von Anbeginn zu dem andern gehörte, denn sie war Geist von seinem Geist: gleiche Gedanken wie er hegte auch sie — ihre Seelen waren wahlverwandt und wunderbar auf einen Akkord gestimmt. Und sie selbst hatte in törichter Verblendung diese Harmonie zerrissen — und nun war es zu spät zum Glück für sie.

Diese Selbsterkenntnis ließ sie Rolfs Verhalten milder beurteilen; sie war ja auch schuldig, aber die Unwahrheit durfte er nicht sprechen; denn nichts haßte und verachtete sie mehr als die Lüge, die sie als Verteidigungsmittel feiger, kleinlicher Seelen verdammte.

Rolf war natürlich noch nicht zu Hause. Lange hatte sie mit dem Essen warten müssen, bis er mit vom Wein geröteten Gesicht endlich erschien. »’n bißchen lange geworden, Beate. Du weißt, Plessow ist ein Sumpfhuhn, ebenso wie Bünau und Malten; man kann kein Ende finden, will auch nicht gleich aufstehen, um nicht in den Verdacht zu kommen, daß man unter dem Pantoffel steht,« suchte er sein spätes Heimkommen zu entschuldigen.

Beate war über diese offenbare Lüge empört. »Warum sagst du mir eigentlich nicht die Wahrheit, Rolf?« Groß und ruhig blickte sie ihn dabei an.