»Ja, allerdings.«
»Und von wem, wenn ich fragen darf?«
Sie zögerte einen Augenblick mit der Antwort; dann sagte sie ruhig: »Professor Scharfenberg hat dich gesehen; er kam ebenfalls zum Gratulieren.«
Da lachte er auf, ein böses, höhnisches Lachen. »Ah, der famose Professor! Der allerdings wird eine besondere Freude gehabt haben, dir das mitzuteilen!«
»Inwiefern?« erstaunt sah sie ihn an.
»Na, tue nur nicht so, Beate! Der »geistvolle, kluge Mann« versteht dich ja viel besser als dein simpler Gatte. Ihr seid beide sehr schlau, daß ihr euch bei deiner gefälligen Freundin so ungestörte Stelldicheins gebt — hahaha — in der Tat, sehr bequem.«
Sie wurde leichenblaß. »Pfui, Rolf! Komme doch zu dir! Ein weiteres Wort habe ich nicht — denn mir scheint, daß du — betrunken bist, und mit solchen Leuten rechtet man nicht.«
Damit stand sie vom Tisch auf und ging hinaus, ohne ihren Gatten eines Blickes zu würdigen.
Sie sah ihn erst wieder, als sie zu Bertholds fuhren. Am liebsten wäre sie zu Haus geblieben; aber Martinas wegen, deren Geburtstagsfeier sie nicht fernbleiben konnte, mußte sie sich bezwingen, wenngleich sie sich sehr elend fühlte. Rolfs Worte hatten das Heiligste in ihr besudelt, in den Staub gezogen, und ihr war, als könne sie niemals wieder freundlich zu ihm sein. Und ihm war sehr unbehaglich zu Mute, während er neben seiner Frau im Wagen Platz nahm. Ihr blasses, kühles Gesicht veränderte sich nicht, als er eine Unterhaltung anfangen wollte; es blieb genau so steinern und unbeweglich wie heut Mittag, als sie das Zimmer verlassen hatte.
Teufel, er hatte sich doch wohl zu sehr hinreißen lassen mit seinen Worten, die ihm im Grunde gar nicht ernst gewesen waren. Aber ihre Art hatte ihn gereizt, daß er nicht überlegte, was er sagte, und außerdem hatte Viola ihn mit ihrem Übermut gequält, gepeinigt und auf seine gelehrte »Frau Dr. med.« gestichelt, daß er ganz aus dem Gleichgewicht gebracht war. Er meinte, das rotblonde Mädchen zu hassen und fieberte doch darnach, sie wieder zu sehen. Ihre Gegenwart schien ihm Lebensbedürfnis, und freudig strahlten seine Augen auf, als er sie in Bertholds Salon erblickte — Maltens waren schon da.