Georg errötete etwas.

»Nun? Doch sicher zu einer gewissen blonden Frau, die —«

»O nicht doch, Berthold.«

»Na, na, warum denn streiten, was wir längst wissen«, meinte er begütigend, »und warum sollen wir nicht davon sprechen, woran wir doch denken! Wäre es denn nicht das Gescheiteste, Sie heirateten, und zwar jene Frau, die uns allen heute so fehlt? Und für Sie ist es höchste Zeit, daß Sie heiraten; denn immer können Sie sich schließlich doch nicht an fremder Leute Kamine wärmen, womit ich aber durchaus nicht gesagt haben will, daß Sie uns etwa nicht mehr willkommen wären. Ich spreche nur in Ihrem Interesse; Sie müssen mich richtig verstehen, eigener Herd ist Goldes wert.«

Der Professor war aufgesprungen, und ging erregt im Zimmer auf und ab. Unablässig glitt seine Hand durch den Bart. Endlich blieb er vor den beiden stehen. »Berthold, lieber Freund, das alles habe ich mir schon hundertmal überlegt, aber wenn es nun wieder nichts ist — was dann?«

»Ach was, wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Und diesmal — ich wette — wird Frau Beate nicht wieder auf ihrem Trotzkopf beharren.«

»Mein Mann hat vollkommen recht, lieber Professor; nicht verzagt und kleinmütig sein! Zögern Sie nicht zu lange, sich Ihr Glück zu sichern. Keine andere paßt so gut zu Ihnen, wie Beate. Und sie sieht Sie gern und hört gern von Ihnen sprechen, das will ich Ihnen verraten. Sie hat in ihrer Ehe eine große Enttäuschung erlebt; es war nicht alles, wie es sein sollte. Wenn sie auch nie zu mir davon gesprochen hat, so weiß ich es dennoch,« so sagte die warmherzige Frau, ihm Mut und Vertrauen zusprechend.

Längst hatte er sich ja mit dem Gedanken getragen, um Beate zu werben, aber eine gewisse Scheu hatte ihn noch zurückgehalten; sie war ihm gegenüber stets von einer zu gleichmäßigen Freundlichkeit! Er hatte ihr auch einen Besuch gemacht und war sehr liebenswürdig aufgenommen worden; aber er glaubte die Wärme zu vermissen, die auf mehr als nur freundschaftliche Gefühle schließen läßt. Georg konnte ja nicht ahnen, daß sie seiner in Liebe und Sehnsucht gedachte, daß sie auf das erlösende Wort von ihm wartete, und so war er in einem Zwiespalt der Gedanken, der ihm manche schlaflose Nacht verursachte.

Gleich am anderen Morgen erkundigte sich Martina Berthold nach dem Befinden des kleinen Karl Friedrich. »Er gefällt mir gar nicht, Tina«, entgegnete Beate gedrückt, »die ganze Nacht habe ich bei ihm gewacht. Er fieberte stark und war sehr unruhig. Ich fürchte sehr — Diphtheritis.«

Martina tröstete, so gut es ihr möglich war; aber sie konnte die eigene Besorgnis nicht verbergen, als sie das Kind sah, das sie mit den großen, fieberglänzenden Augen so verständnislos anblickte. Als sie gegen Abend wiederkam, teilte ihr Beate mit, ihre Befürchtung sei eingetroffen — Karl Friedrich habe Diphtheritis.