Sie sah Sibylle an und erschrak.

Völlig verstört stand das Kind da, sehr blaß, die Arme schlaff niederhängend, die Augen voll eines wunderlichen, hilflosen Ausdrucks.

»Was ist das für ein Versprechen gewesen, Silly?« wiederholte Gerda eindringlich und beruhigend. »Hast du denn kein Vertrauen zu mir?« fragte sie nach einer Pause schmerzlich verwundert.

Sibylle zuckte zusammen. »O ja, Mama – aber – aber bitte, frage mich nicht.«

Sollte es gar eine frühreife Liebesaffäre sein? dachte Gerda ängstlich, doch nein, das ist ja nicht möglich – solche Kinder!

Nach einer Weile sprach sie weiter: »Die andere Frage betrifft nicht dich, doch nehme ich an, daß du etwas davon weißt: wer ist Lady Rosalind?«

Jetzt wurde Sibylle rot wie mit Blut übergossen – ihre Finger krampften sich unstet ineinander, ihre zarte, lang aufgeschossene Gestalt zitterte, sie schlug die Augen auf und zu und blinzelte, als sähe sie in die Sonne.

»Weißt du es?«

»Ja!« flüsterte Sibylle bedrückt. Sie schien einer Ohnmacht nahe. Flehend sah sie ihre Mutter an.