Mit einer ihm eigentümlichen Bewegung strich er sich flott zweimal durch das struppige Blondhaar, zupfte seine maisgelbe Krawatte zurecht, räusperte sich, schlug das Geschichtsbuch auf und begann: »Wir waren also bei der Verfallszeit Roms stehengeblieben. Was wissen Sie mir darüber zu sagen?«

Sibylle sah auf ihren Schoß nieder und schwieg.

»Nun?« sagte er ermunternd, »es handelt sich um die letzte Kaiserzeit, geben Sie mir ein Bild dieser Cäsaren. Auf Caligula also folgte wer?«

Zwei brennrote Flecken flogen wie fremde Gäste auf Sibyllens Wangen, sie atmete schwer und preßte die Lippen fest zusammen.

Herr Brandt sah sie erstaunt an und fuhr fort: »Am 13. Oktober 54 nach Christo bestieg Claudius Nero, 17 Jahre alt, den römischen Kaiserthron, der Sohn der Agrippina, einer Schwester des Caligula. Was wissen Sie von Nero?«

Ein wunderliches Schweigen wie vorhin.

»Wollen Sie mir etwa nicht antworten?« fragte Herr Brandt streng.

Da hauchte sie zitternd: »Nein!«

Herr Brandt glaubte nicht recht gehört zu haben. »Wie? Sie wollen nicht antworten? Wie soll ich das verstehen? – Sind Sie krank?« Sein Ton war ängstlich besorgt.

Sibylle schüttelte den Kopf.