Sibylle wurde unter diesen ungewohnten Huldigungen, die die jungen Leute mit Ausdauer und Eifer fortsetzten, fast ein wenig übermütig, ohne jedoch etwas von ihrer Zurückhaltung zu verlieren.

An einem sonnigen Morgen war Sibylle nacheinander ihren beiden heimlichen Verehrern im Sanatoriumsparke begegnet.

Irgendein Schalk hüpfte ihr in den Nacken, rasch trat sie auf den Polytechniker zu, reichte ihm die Hand und sagte: »Ich danke Ihnen herzlich für Ihre schönen Gedichte, Herr Weber,« worauf der arme Junge mit puterrotem Kopf stotterte:

»Aber, Komtesse, die … die sind ja gar nicht von mir – ich … ich habe mir ja nur erlaubt, Ihnen die Blumen …«

Sibylle lachte hell auf. »Aber Ihre Blumen sind ja auch Gedichte, nur in einer anderen Sprache geschrieben. Vielen schönen Dank, Herr Weber.«

Als sie um die Wegbiegung schritt, traf sie den Balten, der mit schwungvoller Miene vor sich hinredete. Als er Sibylle sah, ruckte er zusammen und machte ihr eine ausdrucksvolle Verbeugung. Sie blieb stehen, sah ihn an und lächelte schelmisch.

»Es ist wirklich zu freundlich von Ihnen, Herr Treu, mich mit den köstlichen Blumen zu bedenken. Tausend Dank!«

»Blumen …?« Der Poet starrte sie wild an. »An den Blumen bin ich, weiß Gott, unschuldig, wenn Sie aber, gnädigstes Fräulein, meine Verse für Blumen zu nehmen geneigt sind, so habe ich nur zu danken!«

Von nun an änderte sich das Bild. Sibylle fand jetzt Verse, die in hergebrachten Reimen hergebrachte Gefühle schüchtern zum Ausdruck brachten, und Wiesenblumen, ungeschickt zusammengestellt und in solcher Menge, daß ihre Schuhe bis in die Spitzen hinein damit vollgepfropft waren. Die Verehrer hatten ihre Rollen getauscht, und die Beteiligten, Sibylle mit eingeschlossen, befanden sich im Nachteil dabei.