Sibylle war blaß geworden. »Ich verstehe nicht,« sagte sie verwirrt, »ich … es ist nur eine Kinderfreundschaft, ich habe Arno seit seinem dreizehnten Jahre nicht wieder gesehen.«
»Bei Ihrer Veranlagung, Komtesse – es gibt Tiefen, die ein gewöhnlicher Sterblicher nicht zu ermessen vermag –«
Das junge Mädchen zuckte zusammen und schlug die Augen nieder. »Ich weiß nicht …« murmelte sie hilflos, »bin ich denn –?«
»Sie sind eigenartig, einzig – wie im Traum leben Sie Ihr Leben dahin – wie eine geheimnisvolle Blume – und dennoch wissen Sie, was Sie wollen.«
»Was ich will?« wiederholte Sibylle und sah ihn mit erschreckten Kinderaugen an, »ich will ja nichts Besonderes – nur in meiner Art sein, in meiner Art – leben –, das tut doch ein jedes,« setzte sie etwas kühner hinzu, mit einem zarten Lächeln, das über ihre Züge hinrieselte.
»Ihre Art zu sein, ist mir heilig, Sibylle –« er stockte, »soll mir heilig sein bis ans Ende, wenn Sie, o Sibylle, sprechen Sie nur ein Wort, sagen Sie, daß Sie mir ein wenig gut sind, daß Sie mein Kleinod, meine Frau sein wollen!«
»Ihre … Frau?«
Ihre Augenwimpern zitterten, ihr Gesicht zuckte. Sie schüttelte kaum merklich den Kopf und sah mit starren Augen vor sich hin. »Ich bin Ihnen recht gut,« flüsterte sie, »aber das, das – kann ich nicht.«
Er trat einen Schritt zurück. »Ich wußte es ja!« sagte er schwer.
Sibylle kam ihm näher und legte schüchtern ihre Hand auf seinen Arm. »Bitte, bitte, seien Sie mir nicht böse … aber nicht wahr, was man nicht aus vollem Herzen tun kann, das soll man nicht. Ich bin Ihnen herzlich gut wie einem Kameraden, mehr ist nicht in mir und –« Sie brach in ein leises, kummervolles Weinen aus. – –