»Lieber Herr Pastor – was ist …« flüsterte sie.

Der alte Mann trat näher, setzte sich auf ihr Bett und nahm ihre beiden Hände. Er mußte reden. Nie war ihm eine Aufgabe so jammervoll schwer geworden.

»Mein liebes Kind,« murmelte er, »Gott der Herr muß wohl unbegreifliche Dinge mit Ihnen vorhaben, Geben und Nehmen liegt in seiner Hand – liebe Sibylle – er helfe Ihnen in Ihrem Leide … Ihre Eltern sind beide …«

»Tot –?« flüsterte Sibylle erstarrt.

Der Pastor beugte sein greises Haupt und brach in Tränen aus, er zitterte vom Kopf bis zu den Füßen.

Sie saß da in ihrem Bett wie zusammengebrochen, den Kopf kraftlos gebeugt, die Augen halb geschlossen, totenblaß. Alles um sie herum schien zu kreisen. Es war, als habe sie einen Schlag vor die Stirn bekommen wie ein zum Töten bestimmtes wehrloses Tier.

»Tot …« murmelte sie mit irrem Lächeln, »tot – Herr Pastor, nein, das ist ja nicht möglich – ein böser Traum … sagen Sie, daß es nicht wahr ist, bitte, bitte, Herr Pastor …«

Sie sprach wie im Schlafe mit einer kleinen, zerbrochenen Stimme, die fremd und wunderlich klang.

Als der Pastor schwieg, malte sich ein steinernes Grauen auf ihren Zügen, der Kopf sank tief auf die Brust nieder, und flüsternd fragte sie: »Der See …?«