Sibylle sah ihn durchdringend an. »Ich muß darauf bestehen!« sagte sie sanft.
Er fuhr auf, sich während des Sprechens immer mehr und mehr ereifernd. »Hm, was verlangen Sie? Ich kann das nicht verantworten. Reisen Sie denn in Gottes Namen, aber so wie es für eine Dame Ihres Standes schicklich ist, mit Begleitung. Ich will meinetwegen den Verwalter Berg hersetzen, das ist ein ordentlicher Mensch, und Ihnen halbjährlich eine Summe hinaussenden – aber – verkaufen? Ne – wäre ja Unvernunft, Kindchen!«
Gequält schloß Sibylle die Augen. »Ich reise allein,« murmelte sie, »weil ich muß, gleichviel, was die Leute denken, und Wangen möchte ich verkauft haben …«
Baron Klaus wurde blaurot. Mühsam beherrschte er sich. »Nach zwei Jahren wollen wir uns wieder darüber aussprechen,« sagte er kühl. »Wenn Sie dann noch auf Ihrem Willen bestehen, hm, dann ja, meinetwegen. Aber das sind so kranke Ideen, man verkauft doch nicht ohne weiteres ein Prachtgut wie Wangen; Ihre Eltern, die hier gewirkt und gearbeitet haben, wären schwerlich damit einverstanden gewesen!« schloß er wieder zornig.
Er hatte mit Härte das schroffste Argument hervorgeholt, das ihm zu Gebote stand. Nun war er selber darüber erschrocken.
Sibylle schwieg lange. Endlich sagte sie einfach: »Das ist keine Laune, Baron Klaus. Wenn meine Eltern wüßten, wie es in mir ist, sie würden mich verstehen und meinen Wunsch billigen. Man kann auch – an Überwindung – zugrunde gehen,« hauchte sie, blaß wie eine Sterbende.
Es blieb Baron Wrede nichts übrig, als ihr zu willfahren.
So reiste denn Sibylle an einem trüben Märztage nach Süden, von den guten Wünschen und kritischen Prophezeiungen ihrer nachbarlichen Freunde begleitet. Fräulein v. Trebnitz besonders fühlte sich tief verletzt, sie konnte es nicht fassen, daß ihre junge Verwandte ihre Gegenwart so offenbar scheue und meide.
Wohin Sibylle sich wenden wollte, wußte sie selber kaum, es trieb sie nur fort von den tausend Augen der Dinge im heimatlichen Hause, die ihr Glück und ihre Qual angesehen hatten und kannten.