Betäubt richtete sie sich auf und brachte sich mühsam in eine sitzende Stellung, sie konnte den Fuß nicht bewegen – er war verstaucht.

Der ganze Jammer ihrer Verlassenheit brach über ihr zusammen – was nun?

Da saß sie, hilflos, allein in der feierlichen Einsamkeit, das brennende Bewußtsein einer furchtbaren Entdeckung in der Seele, preisgegeben dem Mitleide jedes Vorübergehenden, unfähig sich auch nur zu rühren und ein Stück vorwärts zu kriechen. Der Schmerz in ihrem Knöchel wurde immer heftiger – »Wasser, ach Wasser!« ächzte Sibylle mit zitternden Lippen; halb ohnmächtig schloß sie die Augen.

Die Zeit ging hin; langsam, unerträglich langsam schlichen die Minuten dahin, oder waren es Stunden? Schon stand die Sonne im Zenit und sandte ihre heißen Strahlen auf den steinigen Weg. Ermattet, erschöpft, völlig unfähig zu denken, schmerzlich ergeben in ihr Schicksal, versuchte es Sibylle, ihren Fuß in eine erträgliche Lage zu bringen. Sie starrte versunken vor sich nieder, ihre Lider wurden schwerer und immer schwerer, endlich schlief sie ein.

Sie erwachte von einer leisen Berührung.

Ein Ton, der sich erschüttert wie aus einer dunklen Tiefe rang, schlug an ihr Ohr: »Mein Gott, sind Sie – bist du es – Sibylle?«

Noch benommen von Schlaf und Weh, streckte sie die Arme empor und stammelte mit einem leisen Aufschluchzen: »Arno …!«

Er kniete zu ihr nieder, er küßte ihre Hände – ach, nun war ja alles, alles gut. Er faßte sie und hob sie empor – mit einem Wehlaut brach sie zusammen und wies auf ihren Fuß.

Schnell, gewandt knüpfte er den kleinen Stiefel auf, entblößte den Fuß – jetzt sprang er an den Bach, tauchte sein Taschentuch in das kalte Wasser und legte es sorglich auf das geschwollene Gelenk.