»Liebling,« flüsterte er, »armes Herz, wie ist denn das gekommen? Ach, wenn du einen Moment Mut haben wolltest, ich glaube, ich könnte es richten.«
»Nur zu!« murmelte sie lächelnd, »ich halte aus.«
Mit weichen, sorgsamen Händen faßte er das Füßchen, dehnte, zog und richtete – »Da, nun ist's gut, schon vorüber!« sagte er triumphierend. »Aber sag, Kind, um des Himmels willen, wie kommst du denn hierher? Und allein?«
»Ich … ich lebe ja hier – schon seit Monaten, seit das Furchtbare mit den Eltern geschah, daheim konnt' ich nicht bleiben.«
»Ich verstehe,« sagte er hastig, als fürchte er, die Wunde ihrer Seele zu berühren, »ich hörte davon. Ich wagte dir nicht zu schreiben – Worte sind ja so armselig – Und hast du mich denn gleich erkannt?«
Sie lächelte traumhaft. »Schon drüben – in der Schlucht!«
»In der Schlucht?« wiederholte er, »so warst du die fremde dunkle Erscheinung – und du hast mich nicht begrüßen wollen; aber, Sibylle, warum das?«
Tränen stürzten ihr aus den Augen. »Ach, Arno, die Vergangenheit … es war zu schmerzlich –«
Düster sah er sie an. »Ja, ja, du hast recht, o Sibylle, es hätte alles, alles anders werden können!«
»Und du –?« fragte sie scheu, »hast du mich denn auch gleich erkannt?«