»Nicht gleich …« sagte er heiß; »ich sah von weitem eine Dame mitten auf der Straße liegen, Herrgott, dachte ich, eine Ohnmacht oder ein Raubüberfall, ich sprang herzu, ich stand und sah dich an. Du schliefst wie ein Kind, du hattest geweint, die Tränen hingen dir noch an den Wimpern, und aus deinen schlafenden Zügen stieg mit einem Male die kleine Silly vor mir auf. Ich erschrak – an dieses Glück wagte ich ja kaum zu glauben – da sprach ich –«
»Ach ja,« murmelte Sibylle selig, »ein Glück, ein Glück …«
Er kauerte neben ihr nieder, schlang seinen Arm um sie und küßte sie auf die Stirn. »Wir haben uns ja noch gar nicht begrüßt, Sibylle.«
In trunkener Selbstvergessenheit nestelte sie sich näher an ihn heran, ihre Lippen fanden sich – ein langer, heißer, seliger Kuß –
Erschrocken fuhr sie zurück – »Deine Frau, Arno …«
Ihn übergoß eine heiße Glut. »Jawohl!« sagte er bitter. »Sibylle, meine kleine Silly, warst du nicht meine Silly?«
»Früher einmal –« flüsterte sie.
»Und jetzt – jetzt!« rief er stark. »Es ist noch nicht aller Tage Abend – Silly, jahrelang hab' ich ja nur an dich gedacht, jahrelang – weißt du noch unser Geheimnis, Lady Rosalind?«
»Ich weiß, weiß alles.«
»Und dann kam eine bunte, tolle Zeit, Geselligkeit, Tanz, Mädchen, Schulden, ein Strudel, ein Wirbel sag' ich dir, das riß mich mit – ich mußte mich rangieren, da vergaß ich – aber ich hab's bereut, bitter bereut, Silly, hörst du?«