Ja, sie hörte, sie trank jedes Wort von seinen Lippen, noch ehe es ausgesprochen war; sie lächelte irr vor Seligkeit und Hingebung.

»Ich war ein Narr!« sagte er dumpf, »aber auch Narrheiten lassen sich überwinden, wieder gutmachen. Alles hängt nur an dir.«

»An mir …?« hauchte sie. Sie lächelte wie eine Sterbende und schloß die Augen. Was wollte er damit sagen? Und als fürchte sie den Sinn seiner Worte, deren Wahrheit sie nur halb begriffen hatte, als wolle sie dieser Wahrheit keinen Raum lassen, sagte sie schüchtern: »Denk nur, Arno – diese Schlucht habe ich heute zum erstenmal mit Augen gesehen und doch, ich kannte sie, kannte sie schon lange. Wie oft sah ich sie im Traum, ehe das Schreckliche mit den Eltern geschah!«

»Du sahst sie im Traum?« wiederholte er staunend.

»Ja, auf ein Haar genau, und auch den Mann sah ich auf der Brücke – ach, Arno, wie war mir zumute, als ich dich erkannte! Ich dachte, ich müßte wahnsinnig werden –«

»Mein Gott,« sagte er erschüttert, »wie seltsam, wie unfaßlich!« Er schwieg einige Augenblicke, dann leuchteten seine Augen auf und er sprach, rings um sich blickend: »Sollte das eine Vorbedeutung gewesen sein? Herr Gott im Himmel, was kann es denn auch Größeres geben, als große Natur und eine Menschenseele, die uns versteht?«

Sibylle war totenblaß, ihre Lippen öffneten sich – abwehrend hielt sie die Hände vor sich – sie atmete in kurzen Stößen.

»Was ist dir, Liebling?« stammelte er.

»Auch das!« flüsterte sie, vor Grauen geschüttelt. »Diese Worte, genau so, sagte mir der Mann auf der Brücke, sagtest du mir, Arno. Und dann – war ich – allein …«