»Das war der Sonnentanz!« sagte die Kleine leise. »Habt ihr auch ordentlich zugeschaut?«

Die steifen, rotbäckigen Puppengesichter mußten wohl genickt haben, denn mit einer hoheitsvollen Bewegung hob die kleine Sibylle den Arm und sprach: »Wenn ich einmal gestorben bin, dann werdet ihr nicht trauern, das nutzt gar nichts – aber da ich nun doch eure Königin bin, so sollt ihr mir ein Denkmal setzen. Weiß muß es sein, ganz schneeweiß, aus Marmor, wie Großmama eins hat, und darauf muß mit goldenen Buchstaben stehen: Demut und Gerechtigkeit. Habt ihr's gehört? Hebt also den rechten Arm und versprecht es!«

Wie ein Feldherr, der Umschau über seine Truppen hält, kreuzte sie die Arme über der Brust, runzelte die Stirn und trat einen Schritt zurück.

Dann nickte sie herablassend und gnädig.

»Ich will euch aber auch eine gute Königin sein, solange ich lebe, und niemandem werde ich unser Geheimnis sagen – auch nicht Arno.«

Hierbei krauste sich die klare Kinderstirn wieder nachdenklich, ja fast schmerzlich – aber ruhig wiederholte das kleine Mädchen: »Nein, auch nicht Arno, nur dann, wenn er … euer König sein will.

Und jetzt – seid gehorsam, schwatzt nicht und zankt euch nicht. Geht artig zu Bett und schlaft bald ein. Dann sollt ihr auch morgen den Schneetanz zu sehen bekommen.«

Die Tür ging auf und eine zarte Frau trat ein. »Mit wem redest du denn da, Silly?«

Die Kleine lief der Mama freudig entgegen. »Mit meinen Puppen, Mama. Ich muß sie noch zu Bett bringen.«