»Ich wollte dir etwas Hübsches sagen, Kind. Arnos Eltern reisen in der nächsten Woche nach Italien, und solange sie fortbleiben, kommen Arno und Elisabeth zu uns mit ihrem Hauslehrer. Nun, freust du dich denn nicht?«

»Elisabeth auch?« fragte Sibylle ein wenig gedehnt. »Arno allein wäre hübscher. Elisabeth ist immer so … so schrecklich langweilig.«

»Aber, Silly!« sagte die Mutter mit leisem Tadel, »die Kinder werden unsere Gäste sein – und gegen Gäste ist man immer sehr liebenswürdig. Komm jetzt mit nach unten, du sollst Arnos Mama begrüßen.«

Freifrau v. Wolf-Rüdinghausen fuhr nervös zusammen, als die Tür sich öffnete und die Gräfin mit Sibylle am Arm in den Salon trat. Ihre Augen lagen tief in den Höhlen, ihre Züge waren scharf und gespannt; jetzt verklärten sie sich zu einem erfreuten Dulderlächeln.

Das Kind hatte sich zärtlich an die Mutter geschmiegt und sah dem Gast mit einem frischen Glanz in den Augen erwartungsvoll entgegen.

»Ich freue mich sehr auf Arno und … Elisabeth!« sagte die Kleine artig und küßte der Freifrau nach einem schönen Knicks die Hand.

Während sich die Damen über den näheren Termin unterhielten, an dem die Kinder in Wangen eintreffen sollten, hörte sie aufmerksam zu. Als die Freifrau lachend erzählte, daß Arno und Elisabeth am liebsten ihren ganzen Kaninchenstall auf dem Nachbargute einbürgern wollten, schlug Sibylle die durchsichtigen grauen Augen bittend zu ihr auf.

»Ach ja, erlauben Sie es doch! Und Arnos Reitpferdchen lassen Sie doch mitkommen, Tante Marga, bitte!« sagte sie leise. »Er wird sich doch langweilen ohne sein Pony.«

Die Freifrau warf der Gräfin einen amüsierten Blick zu. »Mein Arno hat eine tapfere Fürsprecherin in Silly,« sagte sie wohlgefällig. »Wenn die Kinder doch nur künftig ebenso zusammenhielten wie wir Erwachsenen!« fügte sie mit einem schmerzlichen Seufzer hinzu. »Wissen Sie auch, Liebe, daß mein Mann sich mit dem Gedanken trägt, Rüdinghausen zu verkaufen?«